Großformatige Structural-Glazing-Elemente für ein Londoner Hochhausprojekt mit Nachhaltigkeitszielen
Für das Hochhausensemble 2 Finsbury Avenue in der Londoner City fertigt AGC Interpane großformatige Isoliergläser mit dem Abstandhalter Super Spacer T-Spacer SG von Edgetech Europe/Quanex. Die Verglasung ist Teil einer komplexen Sägezahnfassade, die nach Angaben der Projektbeteiligten Tageslichtnutzung, Sonnenschutz und natürliche Belüftung miteinander verbindet. British Land verfolgt für das Projekt das Ziel, Emissionen aus Bau und Betrieb zu reduzieren und verbleibende Emissionen bilanziell auszugleichen.
Wiederverwendung und dokumentierte CO₂-Bilanz des Projekts
2 Finsbury Avenue, kurz 2FA, entsteht am Broadgate Campus unmittelbar neben der Liverpool Street Station. Das von 3XN und dessen Innovationseinheit GXN entworfene Ensemble umfasst nach der von den Projektbeteiligten verwendeten Zählweise einen 38-geschossigen Ostturm und einen 23-geschossigen Westturm. Ein zwölfgeschossiges Podium verbindet die beiden Hochhäuser. Auf rund 100.000 Quadratmetern entstehen flexible Büro- und Gemeinschaftsflächen. Die Fertigstellung ist für 2027 vorgesehen.

Eigentümer des Projekts ist ein Joint Venture von British Land, GIC und Modon Holding. British Land verantwortet nach eigenen Angaben die Entwicklung sowie das spätere Asset-Management. Für den Gebäudebetrieb ist ein vollständig elektrisches und digital vernetztes Konzept vorgesehen.
Nach Angaben der Projektbeteiligten gehört die Wiederverwendung vorhandener Baustoffe zum Nachhaltigkeitskonzept von 2 Finsbury Avenue. Vor dem Rückbau der beiden Bestandsgebäude aus den 1980er-Jahren wurde in einem Pre-Demolition-Audit geprüft, welche Bauteile erneut eingesetzt oder aufbereitet werden können.
Dabei wurden nach Projektangaben 98 Stahlträger für eine mögliche Wiederverwendung identifiziert. Rund 2.500 Kubikmeter Beton seien zurückgewonnen, aufbereitet und für die Fundamente des Neubaus vorgesehen worden. Zudem seien etwa 9.500 Quadratmeter Doppelbodenelemente ausgebaut und für eine spätere Wiederverwendung eingelagert worden.
British Land und weitere Projektbeteiligte beziffern die berechnete Intensität der grauen Emissionen mit rund 647 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter; in einer früheren Planung habe der Wert bei 755 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter gelegen. Als Einflussfaktoren nennen sie unter anderem die Wiederverwendung von Bauteilen, Stahl aus Elektrolichtbogenöfen, Betonmischungen mit reduziertem CO₂-Fußabdruck sowie Aluminium, das nach ihren Angaben mit erneuerbarer Energie produziert wurde.
Nach Angaben von British Land lassen sich die mit dem Neubau verbundenen Emissionen nicht vollständig vermeiden. Das Unternehmen sieht vor, nach Reduktionsmaßnahmen verbleibende graue Emissionen mithilfe zertifizierter CO₂-Gutschriften bilanziell auszugleichen. Für das Projekt nennt British Land zudem die angestrebten Zertifizierungen und Bewertungen BREEAM Outstanding, WELL Platinum, EPC A sowie NABERS mit fünf Sternen. Diese Ziele waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht als erreicht ausgewiesen.
Sägezahnfassade steuert Licht und solare Einträge
Die Gebäudehülle wird durch ein dreidimensionales Sägezahnrelief geprägt. Diagonale Aluminiumbänder in einem goldsandfarbenen Ton gliedern die Fassade in facettierte Dreiecke. Entlang dieser Diagonalen ändert sich zugleich die Orientierung der Sägezahnstruktur.

Nach Angaben der Projektbeteiligten wurde die Fassadengeometrie auch unter energetischen Gesichtspunkten entwickelt. Sie soll Tageslicht in die Büroflächen leiten und solare Wärmeeinträge begrenzen. Simulationen zur Sonneneinstrahlung, bei denen die höchsten Einträge am Nachmittag erwartet wurden, flossen nach Projektangaben in die Ausrichtung der Fassadenflächen ein.
Konstruktiv handelt es sich um eine Structural-Glazing-Elementfassade. Die typischen Fassadenelemente messen rund 1.500 × 3.875 Millimeter. Sie kombinieren eine transparente Verglasung mit einer als Shadow Box ausgeführten Brüstungszone und einem opaken, mit Aluminium verkleideten Abschnitt. Die eingesetzten Isoliergläser erreichen Formate von etwa 1.060 × 2.950 Millimetern.
Sonnenschutzglas erreicht einen Ug-Wert von 1,0 W/(m²K)
Für die transparenten Fassadenflächen wurde eine Sonnenschutz-Isolierverglasung mit Stopray-Vision-52-Beschichtung auf Position 4 gewählt. Der 18 Millimeter breite Scheibenzwischenraum ist mit Argon gefüllt. Als Abstandhalter kommt Super Spacer T-Spacer SG zum Einsatz. Beide Seiten der Isolierverglasung bestehen aus Verbundsicherheitsglas; die Außenscheibe verfügt zusätzlich über eine akustisch wirksame PVB-Zwischenlage.
Nach Projektangaben erreicht der Glasaufbau eine Lichttransmission von rund 50 Prozent, einen g-Wert von etwa 25 Prozent und einen Ug-Wert von 1,0 W/(m²K).
Im Erdgeschoss wird eine Pfosten-Riegel-Fassade mit Sonnenschutz- und Wärmedämm-Isolierverglasung eingesetzt. Der Aufbau kombiniert Clearvision-Weißglas mit farbneutralen iplus-Low-E-Beschichtungen. Die Verglasung erreicht eine Lichttransmission von mindestens 75 Prozent, einen Gesamtenergiedurchlassgrad von höchstens 60 Prozent und einen Ug-Wert von 1,1 W/(m²K).
Nach Angaben der Projektbeteiligten verfügt das verwendete Basisglas über eine Cradle-to-Cradle-Certified-Bronze-Zertifizierung.
Fassadenelemente unterstützen die natürliche Belüftung
Auch die opaken Bereiche der Fassade übernehmen eine klimatische Funktion. Jede zweite Verkleidung ist perforiert. Dahinter befinden sich sensorgesteuerte Klappen, die sich bei geeigneten Bedingungen öffnen und eine natürliche Frischluftzufuhr ermöglichen.

In den großformatigen Einschnitten des Sägezahnreliefs, den sogenannten Amenity Cuts und der Amenity Terrace, geht die gefaltete Gebäudehülle in eine ebene Structural-Glazing-Fassade über. Hinter diesen Bereichen befinden sich gemeinschaftlich genutzte Arbeits-, Aufenthalts- und Veranstaltungsflächen.
Die vollverglasten Fassadenelemente werden von geschossübergreifenden Pfosten gegliedert. Sie lagern lediglich auf der jeweils unteren Geschossdecke, während diagonal angeordnete Träger die auftretenden Windlasten aufnehmen.
Isoliergläser erreichen Formate von 2.500 × 7.500 Millimetern
Die Isolierglaseinheiten in den Amenity Cuts erreichen Formate von bis zu 2.500 × 7.500 Millimetern. Wegen der größeren Abmessungen und der damit verbundenen Belastungen musste der Glasaufbau entsprechend verstärkt werden.
Da die ebenen Glasflächen einer höheren direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind als die gefalteten Fassadenbereiche, werden dort COOL-LITE-Sonnenschutzgläser von Saint-Gobain eingesetzt.
Besonders anspruchsvoll sind die sogenannten Snowflake-Knoten. Sie entstehen dort, wo die Diagonalen der Amenity Cuts auf die Richtungswechsel der Sägezahnfassade treffen. An acht Gebäudeecken laufen in einzelnen Elementen bis zu zehn unterschiedliche Fassadenkomponenten zusammen. Dafür wurden projektspezifische Lösungen für die Luft- und Wasserabdichtung entwickelt. Insgesamt weisen rund 130 Fassadenelemente diese komplexe Geometrie auf.
Super Spacer für den Randverbund der Structural-Glazing-Elemente
Die Isoliergläser werden bei AGC Interpane in Plattling gefertigt. Zum Einsatz kommt Super Spacer T-Spacer SG, eine speziell für Structural-Glazing-Anwendungen entwickelte Variante des flexiblen Warme-Kante-Abstandhalters.
„Die Entscheidung für den Super Spacer war für uns eine strategische, aber auch eine wirtschaftliche. Bei Projekten wie 2 Finsbury Avenue müssen wir sicher sein, dass der Randverbund seine Leistungsfähigkeit über Jahrzehnte hinweg behält. Über die robotergestützte Applikation können wir diese Qualität reproduzierbar und wirtschaftlich fertigen“, erklärt Daniel Bruckelt, Leiter der Isolierglasfertigung bei AGC Interpane.
Bei Structural-Glazing-Fassaden kommt der Ausführung des Randverbunds besondere Bedeutung zu. Die außenliegende Sekundärdichtung aus Silikon schützt den Randverbund vor UV-Strahlung, ist jedoch selbst gasdurchlässig. Für die dauerhafte Gasdichtheit ist deshalb vor allem die innenliegende Primärdichtung aus Polyisobutylen, kurz PIB, verantwortlich.
Der T-Spacer SG verfügt über vergrößerte seitliche Kontaktflächen. Diese sollen auf automatisierten Isolierglaslinien einen dickeren und gleichmäßigeren PIB-Auftrag ermöglichen. Gleichzeitig lassen sich der Abstandhalter und die Primärdichtung mit hoher Parallelität zur Glaskante und engen Toleranzen applizieren. Das ist insbesondere bei großformatigen Scheiben und schmalen sichtbaren Randbereichen von Bedeutung.
„Große Isoliergläser können mehrere Tonnen wiegen und sind gleichzeitig überraschend sensibel. Windlasten, Temperaturwechsel, Druckschwankungen und die thermische Ausdehnung der Materialien führen zu permanenten Bewegungen im Randverbund“, erläutert Christoph Rubel, European Technical Manager bei Edgetech Europe.
Nach Angaben von Edgetech ist der Abstandhalter so ausgelegt, Bewegungen im Randverbund aufzunehmen und Belastungsspitzen zu reduzieren. Der Hersteller leitet daraus die Erwartung ab, dass sich das Risiko von Dichtungsversagen, Gasverlust und Spannungsrissen im Randbereich verringern kann. Eine projektbezogene Langzeitbewertung der eingebauten Elemente liegt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung naturgemäß noch nicht vor.

Glasfassade verbindet Gestaltung und Gebäudetechnik
Bei 2 Finsbury Avenue ist die Verglasung nicht nur Teil der architektonischen Gestaltung. Die Ausrichtung der Fassadenelemente, die Sonnenschutzbeschichtungen, die sensorgesteuerte natürliche Belüftung und der Randverbund der großformatigen Isoliergläser greifen technisch ineinander.
Der Einsatz des Super Spacer T-Spacer SG ist eine Komponente des Fassadenkonzepts für die bis zu 7,5 Meter hohen Structural-Glazing-Elemente. Nach Angaben der Projektbeteiligten soll das Zusammenspiel aus Fassadengeometrie, Verglasung, Sonnenschutzbeschichtung, Belüftungselementen und Randverbund die Tageslichtnutzung, die Begrenzung solarer Wärmeeinträge und die dauerhafte Funktion der Elemente unterstützen.
Häufige Fragen zu 2 Finsbury Avenue
Wann soll 2 Finsbury Avenue fertiggestellt werden?
Nach Angaben von British Land ist die Fertigstellung des Londoner Hochhausensembles für 2027 vorgesehen. Die Projektbeteiligten beschreiben das Ensemble mit einem 38-geschossigen Ostturm, einem 23-geschossigen Westturm sowie einem verbindenden zwölfgeschossigen Podium.
Welche Funktion übernimmt Super Spacer in der Glasfassade?
Super Spacer T-Spacer SG wird als flexibler Warme-Kante-Abstandhalter im Randverbund der Isoliergläser eingesetzt. Seine vergrößerten Kontaktflächen sollen einen gleichmäßigen Auftrag der gasdichten PIB-Primärdichtung unterstützen. Gleichzeitig kann das elastische Material Bewegungen infolge von Wind, Temperatur- und Druckschwankungen aufnehmen.
Welche Größen erreichen die Isoliergläser?
Die üblichen Isoliergläser der Elementfassade messen rund 1.060 × 2.950 Millimeter. In den sogenannten Amenity Cuts werden Isolierglaseinheiten mit Abmessungen von bis zu 2.500 × 7.500 Millimetern eingesetzt.
Welches Klimaziel nennt British Land für das Projekt?
British Land beschreibt für 2 Finsbury Avenue ein Ziel zur Verringerung von Emissionen aus Bau und Betrieb. Nach Angaben des Projektentwicklers sollen graue und betriebliche Emissionen zunächst durch Maßnahmen wie Wiederverwendung, materialeffiziente Konstruktionen, Gebäudetechnik und ausgewählte Baustoffe reduziert werden. Verbleibende graue Emissionen sollen nach dem beschriebenen Konzept über zertifizierte CO₂-Gutschriften bilanziell ausgeglichen werden. Das ist ein Projektziel und keine Aussage, dass beim Bau keine Emissionen entstehen.
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