Glas Gasperlmair hat am Standort Wagrain eine neue Isolierglaslinie von LiSEC in Betrieb genommen
Zu den zentralen Komponenten gehören der überarbeitete Spacer-Applikator FSA-A für flexible Abstandhalter und eine Einheit zum automatischen Verschließen der Stoßfuge. Die Anlage verarbeitet Super Spacer von Quanex Edgetech und ist auf große Isolierglasformate sowie unterschiedliche Scheibenzwischenräume ausgelegt.

Glas Gasperlmair und LiSEC arbeiten seit 1975 zusammen. Damals investierte der österreichische Glasverarbeiter in seine erste Glaswaschmaschine des Anlagenbauers. Die erste Isolierglasfertigung hatte Unternehmensgründer Josef Gasperlmair bereits ein Jahr zuvor in Betrieb genommen.
Inzwischen verfügt das Unternehmen über fünf Isolierglaslinien. Auf zwei davon werden nach Angaben der beteiligten Unternehmen flexible Super-Spacer-Abstandhalter verarbeitet. Die Erfahrungen aus dem laufenden Produktionsbetrieb flossen auch in die Konfiguration der neuen Linie ein.
Magazin führt zwei Spacer-Breiten gleichzeitig zu
Das modular aufgebaute Materialmagazin hält bei Gasperlmair sechs Rollen mit Abstandhaltermaterial bereit. In der größten Ausbaustufe sind acht Rollen möglich. Die klimatisierte Einhausung soll dafür sorgen, dass das Material bis zur Verarbeitung unter gleichbleibenden Bedingungen gelagert wird.
Zwei unterschiedliche Spacer-Breiten können gleichzeitig bis zum Applizierkopf geführt werden. Das reduziert insbesondere bei Dreifachisolierglas mit unterschiedlichen Scheibenzwischenräumen die erforderlichen Wechselvorgänge.
Für den Transport zum Applizierkopf verwendet LiSEC einen Raupenvorschub. Längenausgleiche unterstützen die Positionierung des flexiblen Abstandhalters auf der Glasscheibe. Die Anlage führt das Material entlang der Glaskante, stanzt die Eckbereiche und appliziert den Abstandhalter auf dem Glas.

Ein stufenlos verstellbares Stanzmesser ermöglicht unterschiedliche Eckwinkel. Damit lassen sich neben rechteckigen Isolierglaselementen auch Sonderformen fertigen.

Zahnradpumpe dosiert den Butylauftrag
Überarbeitet wurde auch die Applikation der Primärdichtung. Eine Zahnradpumpe fördert das Butyl und dosiert die Menge volumetrisch. Damit soll auch beim Anfahren und Stoppen des Applikators eine möglichst gleichmäßige Butylraupe entstehen.
Butyl beziehungsweise Polyisobutylen, kurz PIB, bildet die Primärdichtung des Randverbunds. Es wird auf den seitlichen Flächen des Abstandhalters aufgetragen und begrenzt den Gasaustritt sowie den Eintritt von Wasserdampf in den Scheibenzwischenraum.
Albert Haider, Produktmanager bei LiSEC Austria, nennt neben der Führung des Abstandhalters deshalb insbesondere einen gleichmäßigen Butylauftrag, kürzere Umrüstvorgänge und die Verarbeitung unterschiedlicher Spacer-Ausführungen als Entwicklungsziele des FSA-A.
T-Spacer SG für Structural Glazing und große Formate
Auf der neuen Linie verarbeitet Gasperlmair Super Spacer T-Spacer SG mit einer Bauhöhe von 7,3 Millimetern. Verfügbar sind bei dieser Anwendung Breiten zwischen 8 und 24 Millimetern.
Quanex Edgetech hat die SG-Ausführung für Structural Glazing und großformatige Isolierglaselemente entwickelt. Nach Angaben des Herstellers wurden die seitlichen Flächen für den PIB-Auftrag gegenüber der zugrunde liegenden T-Spacer-Ausführung vergrößert. Die äußeren Abmessungen des Abstandhalters blieben dabei unverändert.
Die vergrößerten Seitenflächen ermöglichen einen breiteren Auftrag der Primärdichtung. Das ist bei Structural-Glazing-Konstruktionen relevant, weil die dort häufig eingesetzten UV-beständigen Silikondichtstoffe der Sekundärdichtung eine höhere Gasdurchlässigkeit besitzen. Die Begrenzung des Gasverlustes wird daher wesentlich durch die Primärdichtung unterstützt.
Die neue Linie ist für Glasformate bis 4.000 × 2.700 Millimeter und Glasdicken bis 32 Millimeter ausgelegt. Verarbeitet werden können Isolierglaselemente mit einer Gesamtdicke von bis zu 100 Millimetern. Neben rechteckigen Elementen sind Sonderformen und dreiseitige Stufenelemente möglich.
Stoßfuge wird mit Butyl-Klebeband verschlossen
Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt betrifft den Start-Stopp-Punkt des flexiblen Abstandhalters. Beim Trennen des Materials wird auch dessen werkseitig aufgebrachte Barrierefolie unterbrochen. Die beiden Enden müssen deshalb nach dem Applizieren wieder miteinander verbunden werden.
Diese Aufgabe übernimmt die überarbeitete Eckenverschlusseinheit RTV-A-SC. Sie bringt automatisch ein Butyl-Klebeband auf die Stoßfuge auf. Das Klebeband überbrückt die Unterbrechung der Barrierefolie und unterstützt damit die Abdichtung des Randverbunds an dieser Stelle.

Ob ein fertiges Mehrscheiben-Isolierglas die Anforderungen an Feuchtigkeitsaufnahme und Gasverlustrate erfüllt, hängt vom gesamten Randverbund und von der Qualität des Herstellungsprozesses ab. Die entsprechenden Langzeitprüfverfahren werden in EN 1279-2 und EN 1279-3 beschrieben.
Josef Gasperlmair war nach Angaben der Unternehmen eng in die Auslegung der neuen Linie eingebunden. Auch Josef Gasperlmair und Dr. Peter Gasperlmair brachten ihre bisherigen Produktionserfahrungen mit flexiblen Abstandhaltern in die Entwicklung ein.
FAQ zum LiSEC-Applikator FSA-A
Was ist der FSA-A von LiSEC?
Der FSA-A ist ein automatischer Applikator für flexible Abstandhalter in der Isolierglasproduktion. Er führt das Material von der Rolle zu, bearbeitet die Eckbereiche und appliziert den Abstandhalter entlang der Glaskante.
Welche Glasformate kann die neue Linie bei Gasperlmair verarbeiten?
Nach Angaben der beteiligten Unternehmen ist die Linie für Glasformate bis 4.000 × 2.700 Millimeter, Glasdicken bis 32 Millimeter und Isolierglaselemente mit einer Gesamtdicke bis 100 Millimeter ausgelegt.
Wie wird die Stoßfuge des Abstandhalters verschlossen?
Die Eckenverschlusseinheit RTV-A-SC bringt automatisch ein Butyl-Klebeband auf die Stoßfuge auf. Damit wird die durch den Trennschnitt unterbrochene Barrierefolie überbrückt.
Warum ist die Primärdichtung beim Structural Glazing wichtig?
Die Primärdichtung aus Polyisobutylen begrenzt den Austritt des Füllgases und den Eintritt von Wasserdampf in den Scheibenzwischenraum. Das ist beim Structural Glazing besonders relevant, weil die für die Sekundärdichtung eingesetzten Silikondichtstoffe eine höhere Gasdurchlässigkeit besitzen können.
Quellen
- Presseinformation von Edgetech Europe GmbH und Interview International vom 17. September 2026
- LiSEC: Produktinformationen zum Spacer-Applikator FSA-A, veröffentlicht am 3. Juli 2026
- Quanex Edgetech: Technische Produktinformationen zu Super Spacer T-Spacer SG
- DIN EN 1279-2:2018 – Mehrscheiben-Isolierglas, Langzeitprüfverfahren zur Feuchtigkeitsaufnahme
- DIN EN 1279-3:2018 – Mehrscheiben-Isolierglas, Langzeitprüfverfahren zur Gasverlustrate







