Die Weiterentwicklung bestehender Schulen beginnt mit der Klärung ihres Bedarfs

Bruchmann Insight zur SCHULBAU Berlin: Wie Kommunen Raumkonzepte, Umbau und Klimaanpassung miteinander verbinden können

Bestehende Schulen für Unterricht, Ganztag und veränderte Lernformen weiterzuentwickeln, verlangt eine gemeinsame Betrachtung von Pädagogik, Gebäude und Betrieb. Welche Räume werden tatsächlich gebraucht? Was lässt sich durch eine andere Nutzung vorhandener Flächen erreichen? Und wo sind bauliche oder technische Eingriffe erforderlich? Für kommunale Schulträger, Architekten und Fachplaner beginnt die Aufgabe damit, diese Fragen am konkreten Standort zu beantworten.

Die SCHULBAU Berlin am 11. und 12. November 2026 im Loewe Saal greift diese Aufgaben auf. Der Veranstalter Cubus Medien Verlag setzt im angekündigten Programm Schwerpunkte auf die Sanierung und flexible Weiterentwicklung des Schulbestands sowie auf klimaresiliente Schulstandorte. Anlass für einen Blick darauf, wie sich aus unterschiedlichen Anforderungen ein tragfähiges Projekt entwickeln lässt.

Ein gemeinsames Raumkonzept schafft die Grundlage

Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft bezeichnet die standortspezifische Bedarfsklärung zu Beginn eines Schulbauprojekts als „Phase Null“. Schule, Schulträger und Planung entwickeln dabei gemeinsam ein pädagogisch-räumliches Konzept. Die Perspektiven von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie weiteren Nutzern gehören in diesen Prozess.

Für die Projektarbeit lässt sich daraus eine konkrete Aufgabe ableiten: Die Beteiligten sollten beschreiben, welche Tätigkeiten im Tagesverlauf stattfinden, wer welche Bereiche gleichzeitig nutzt und wo Rückzug oder gemeinsames Arbeiten vorgesehen sind. Daraus kann ein Raumprogramm entstehen, an dem sich spätere Planungsentscheidungen überprüfen lassen.

Die gemeinsam von Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, BDA und VBE herausgegebenen „Leitlinien für leistungsfähige Schulbauten in Deutschland“ behandeln entsprechend sowohl die räumliche Organisation als auch die Gestaltung von Planungs- und Bauprozessen. Für den Bestand ist beides miteinander abzugleichen: die gewünschte Nutzung und das, was Gebäude und Grundstück ermöglichen.

Wuppertal organisiert Unterricht und Ganztag auf gemeinsamen Flächen

Das Wuppertaler Projekt „Multifunktionale Raumnutzung“ unterstützt seit 2022 Grund- und Förderschulen beim Ausbau des Offenen Ganztags. Lehrkräfte, Ganztagsmitarbeitende, Schulleitungen und Sozialkräfte entwickeln in Workshops gemeinsame Nutzungskonzepte.

In ihrer Zwischenbilanz vom 21. April 2026 berichtet die Stadt von mehreren Hundert zusätzlichen Ganztagsplätzen durch die ganztägige Raumnutzung. Genannt werden gemeinsam genutzte Tages- und Themenräume, multifunktionales Mobiliar und kleinere Baumaßnahmen. In der damals laufenden Staffel beriet das Hamburger Schulbaubüro Raumbildung die Schulen.

Für andere Schulträger liegt darin ein Ansatz zur Prüfung: Welche Räume können Unterricht und Ganztag gemeinsam nutzen? Die Antwort muss mit beiden Teams entwickelt werden. Zusätzlicher Flächenbedarf bleibt dabei zu untersuchen.

Nürnberg plant eine Berufsschule im ehemaligen Bürogebäude

Der Blick auf den Bestand kann auch Gebäude einschließen, die ursprünglich einem anderen Zweck dienten. In Nürnberg sollen die Beruflichen Schulen B5 und B14 in einem ehemaligen Bürogebäude zusammengeführt werden. Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft begleitet das Vorhaben als Pilotprojekt „Schule statt Leerstand“.

Die Projektdokumentation nennt eine von Oktober 2024 bis Juni 2025 durchgeführte Phase Null. AFF Architekten und POLA Landschaftsarchitekten wurden für die weitere Planung ausgewählt; Fachplaner für Gebäudetechnik, Bauphysik, Brandschutz, Tragwerk und Elektro ergänzen das Team. Der Einzug ist für 2031/32 vorgesehen.

Vorgesehen ist eine Verbindung aus fachgebundenen Praxisräumen, multifunktionalen Räumen und offenen Lernbereichen. Die dokumentierte Stahlbetonskelettstruktur bildet dafür einen Ausgangspunkt. Für die Standortsuche ergibt sich daraus eine weiterführende Frage: Welche vorhandenen Gebäude lassen sich mit dem benötigten Raumprogramm zusammenbringen? Die Eignung eines Bürogebäudes ist dabei am jeweiligen Objekt zu untersuchen.

Die Bauphase gehört in die Standortentscheidung

Auch ein überzeugendes Raumkonzept braucht einen umsetzbaren Weg durch die Bauzeit. Das angekündigte SCHULBAU-Programm greift dies am Beispiel der Ernst-Reuter-Schule im Berliner Brunnenviertel auf: Für Sanierung und Erweiterung soll ein großer Teil der Schülerschaft an einen Interimsstandort ausgelagert werden. Der angekündigte Vortrag behandelt die Auswirkungen auf den Kiez.

Für die Projektvorbereitung folgt daraus, Bauablauf und Schulorganisation gemeinsam zu betrachten. Wo findet Unterricht während der Arbeiten statt? Welche Bereiche bleiben nutzbar? Wie verändern sich Wege, Anlieferung und Betreuung? Diese Fragen sollten in die Prüfung der Umbauvarianten eingehen. Ein Sanierungsentwurf allein beantwortet sie noch nicht.

Neue Raumnutzungen verlangen passende Lernbedingungen

Mit dem Raumprogramm müssen auch Lüftung, Akustik und sommerlicher Wärmeschutz abgestimmt werden. Das Portal „Sichere Schule“ der gesetzlichen Unfallversicherung verweist auf die Bedeutung schallabsorbierender Flächen für die Sprachverständlichkeit. Bei veränderten Raumaufteilungen sollte deshalb geprüft werden, wie gut Sprache in den vorgesehenen Lernbereichen verstanden wird und welche Geräusche aus benachbarten Nutzungen einwirken.

Für die Lüftung empfiehlt der Arbeitskreis Lüftung am Umweltbundesamt in seiner Veröffentlichung von November 2017 eine mechanische Grundlüftung mit ergänzender Fensterlüftung. Als hygienischen Planungsmaßstab nennt er einen arithmetischen Mittelwert von höchstens 1.000 ppm CO₂ über eine Unterrichtseinheit. „ppm“ bedeutet Teile pro Million. Die Empfehlung bezieht sich ausdrücklich auf die durchschnittliche Konzentration während des Unterrichts.

Für das konkrete Gebäude braucht es ein Lüftungskonzept, das Raumbelegung, bauliche Möglichkeiten und Betrieb berücksichtigt. Die UBA-Empfehlung schließt die Einweisung der Nutzer, Wartung und eine Erfolgskontrolle unter Praxisbedingungen ein.

Beim sommerlichen Wärmeschutz kommen weitere Schnittstellen hinzu. „Sichere Schule“ empfiehlt eine geeignete Außenbeschattung und weist darauf hin, dass Verschattungselemente die Zu- und Abluftöffnungen von Lüftungsgeräten nicht verdecken dürfen. Sonnenschutz, Tageslicht und Lüftung sind deshalb gemeinsam zu planen.

Der Schulhof verbindet Aufenthalt und Regenwasserbewirtschaftung

An der Reginhard-Grundschule in Berlin-Reinickendorf wurden Regenwasserbewirtschaftung und Schulhofgestaltung zusammengeführt. Die Berliner Regenwasseragentur dokumentiert das Projekt als fertiggestellt. Als Ausgangsprobleme nennt sie starke Aufheizung im Sommer, Überflutungen nach Starkregen und veraltete Versickerungsanlagen.

Zum Umbau gehörten wasserdurchlässige Beläge sowie Versickerungskörper mit vorgeschaltetem Filter. Wegen der knappen Fläche wurden die unterirdischen Anlagen unter anderem unter Holzdecks und einer kleinen Bolzplatzfläche angeordnet. Die Planung übernahm Keil Landschaftsarchitekten.

Das Beispiel macht eine konkrete Schnittstelle sichtbar: Die Lage von Spielbereichen, Bäumen, Leitungen und Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung muss aufeinander abgestimmt werden. Für die Planung weiterer Schulhöfe sollten deshalb die vorgesehenen Nutzungen und die Flächen für die Regenwasserbewirtschaftung frühzeitig zusammen betrachtet werden.

Die Nutzung nach dem Umbau braucht Begleitung

Mit der Fertigstellung beginnt die praktische Erprobung des Raumkonzepts. Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft beschreibt diesen begleiteten Prozess als „Phase Zehn“. Die Schulgemeinschaft eignet sich die Räume an, überprüft Nutzung und Möblierung und entwickelt das Konzept bei Bedarf weiter. Der Prozess kann sich über ein Schuljahr oder darüber hinaus erstrecken.

Für Schulträger bietet es sich an, dafür bereits im Projekt Zeit und Zuständigkeiten vorzusehen. Funktionieren die vorgesehenen Wechsel zwischen Unterricht und Ganztag? Sind Rückzugsbereiche im Alltag nutzbar? Lassen sich technische Anlagen verständlich bedienen und warten? Solche Fragen verbinden die räumliche Planung mit der tatsächlichen Nutzung.

Fünf Fragen für das nächste Projektgespräch

Aus den dokumentierten Ansätzen lassen sich fünf Fragen für Schulträger und Planungsteams ableiten:

  • Bedarf: Welche Tätigkeiten, Personengruppen und gleichzeitigen Nutzungen muss das Raumprogramm abbilden?
  • Bestand: Welche Räume können gemeinsam genutzt werden, und welche Anforderungen verlangen einen Umbau oder zusätzliche Flächen?
  • Bauzeit: Wie werden Unterricht und Betreuung während der Umsetzung organisiert?
  • Lernbedingungen: Wie greifen Akustik, Lüftung, Tageslicht, Sonnenschutz und Außenraumplanung ineinander?
  • Betrieb: Wer begleitet die Nutzung, übernimmt Wartung und Pflege und prüft, ob das Konzept im Alltag funktioniert?

Autor: Matthias F. Bruchmann

FAQ zur Weiterentwicklung bestehender Schulen

Was bedeutet Phase Null im Schulbau?

Die Phase Null ist eine gemeinsame Bedarfsklärung vor der eigentlichen Planung. Schule, Schulträger und Planung entwickeln ein pädagogisch-räumliches Konzept, das die Grundlage für das Raumprogramm und weitere Entscheidungen bildet.

Können Unterricht und Ganztag dieselben Räume nutzen?

Wuppertal verfolgt diesen Ansatz im Projekt „Multifunktionale Raumnutzung“. Seine Umsetzung verlangt ein abgestimmtes Nutzungskonzept. Ob darüber hinaus zusätzliche Flächen benötigt werden, bleibt am jeweiligen Standort zu prüfen.

Was ist mit hybrider Lüftung gemeint?

Hybride Lüftung verbindet eine mechanische Grundlüftung mit ergänzender Fensterlüftung. Der Arbeitskreis Lüftung am Umweltbundesamt empfiehlt diesen Ansatz für Bildungseinrichtungen. Auslegung und Betrieb müssen im Lüftungskonzept für das konkrete Gebäude festgelegt werden.

Warum sollte die Nutzung nach dem Umbau überprüft werden?

Erst im Alltag zeigt sich, wie die Schulgemeinschaft mit dem Raumkonzept arbeitet. Eine begleitete Nutzungsphase ermöglicht es, Abläufe und Möblierung zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen. Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft bezeichnet diesen Prozess als Phase Zehn.

Quellen und fachliche Grundlagen

Recherchestand: 8. November 2026. Alle verlinkten Seiten wurden an diesem Tag abgerufen. Undatierte Quellen sind entsprechend gekennzeichnet.

Veranstalterinformationen

  • Cubus Medien Verlag GmbH: SCHULBAU Berlin 2026, Veranstaltungsinformation, ohne Veröffentlichungsdatum. Grundlage für Termin und Veranstaltungsort.
  • Cubus Medien Verlag GmbH: Programm Berlin 2026, Veranstalterprogramm, ohne Veröffentlichungsdatum. Grundlage für die angekündigten Themenschwerpunkte und den Programmhinweis zur Ernst-Reuter-Schule. Ankündigungen dokumentieren keine bereits erfolgten Vorträge oder Ergebnisse.

Fachliche Orientierung

  • Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft: Phase Null – Startpunkt für zukunftsgerichteten Schulbau, ohne Veröffentlichungsdatum. Grundlage für die gemeinsame Bedarfsklärung und das pädagogisch-räumliche Konzept.
  • Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA, Verband Bildung und Erziehung (Herausgeber): Leitlinien für leistungsfähige Schulbauten in Deutschland, vierte, überarbeitete Auflage, 2022. Herangezogen wurde die Publikationsbeschreibung zur Verbindung von Raumorganisation und Planungsprozessen.
  • Arbeitskreis Lüftung am Umweltbundesamt; Herausgeber: Umweltbundesamt: Anforderungen an Lüftungskonzeptionen in Gebäuden – Teil I: Bildungseinrichtungen, November 2017, insbesondere Kernbotschaften und Zusammenfassung, S. 7 und 24–25. Grundlage für hybride Lüftung, den über eine Unterrichtseinheit gemittelten CO₂-Planungsmaßstab sowie Einweisung, Wartung und Erfolgskontrolle. Verwendung als fachliche Empfehlung.
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Portal „Sichere Schule“: Akustik, ohne Veröffentlichungsdatum. Grundlage für Sprachverständlichkeit und Schallabsorption.
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Portal „Sichere Schule“: Raumluftqualität und Raumklima, ohne Veröffentlichungsdatum. Grundlage für Außenbeschattung und die Abstimmung mit Zu- und Abluftöffnungen.
  • Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft: Phase Zehn – Potenziale im Raum entdecken und nutzen, ohne Veröffentlichungsdatum. Grundlage für die begleitete Aneignung und Überprüfung der Räume nach dem Einzug.

Projektberichte der beteiligten Institutionen

Die fünf Fragen für Projektgespräche sind eine redaktionelle Ableitung aus den genannten Fachquellen und Projektberichten. Eigene Besichtigungen, Gespräche oder Messungen sind nicht Grundlage dieses Beitrags.

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