Bruchmann Insight – Was die Reise vom Bosporus bis in die kasachische Steppe über Ladeplanung zeigt
In einem Busdepot in Baku lädt Tobias Wagner seinen zum Reisemobil umgebauten Mercedes-Benz eActros 600. Ein Adapter verbindet die Schnellladestation mit chinesischem GB/T-Anschluss mit dem CCS2-Anschluss des Lkw. Bei 17 Prozent Akkustand nennt Wagner eine momentane Ladeleistung von rund 191 Kilowatt. Nach der Überfahrt über das Kaspische Meer findet der „Elektrotrucker“ im kasachischen Beineu ebenfalls eine Station mit CCS2-Anschluss. Dort scheitern die gezeigten Ladeversuche, weil die Zahlungen mit seinen Karten in der App abgelehnt werden.
Der vorige Bruchmann Insight hat am Beispiel Istanbul gezeigt, wie Ladeleistung und Stellfläche zusammenwirken. Auf der Weiterfahrt durch die Türkei, Georgien und Aserbaidschan bis nach Kasachstan kommen weitere Fragen hinzu. Passen Ausgangsspannung und Ladestandard zum Fahrzeug? Zu welchen Zeiten können externe Fahrzeuge an einem Busdepot laden? Und welche Zahlungsmittel akzeptiert die Station? Zwischen Baku und Kasachstan beansprucht die Verschiffung über das Kaspische Meer einschließlich der Wartezeiten mehrere Tage.

Vierter Ladestopp in Kappadokien – die verfügbare Leistung ändert sich
In seiner Zwischenbilanz vom 22. Oktober 2026 nennt Daimler Truck rund 3.500 Kilometer und drei Ladestopps für die Fahrt von Hannover bis zum Mercedes-Benz Türk Werk in Aksaray. Der vierte Ladestopp folgt in Kappadokien. Mit sechs Prozent Akkustand entscheidet sich Tobias Wagner für eine Station in der Nähe. Bis nach Kayseri wären es nach seiner Angabe noch mehr als 60 Kilometer gewesen.
Wagner gibt die Nennleistung der Säule mit 180 kW an. Als ein zweites Fahrzeug hinzukommt, verteilt die Säule ihre Leistung auf beide Ladepunkte. Laut Wagner lädt der andere Wagen etwa 20 Minuten. Anschließend steigt die Leistung für den eActros wieder. Nach knapp vier Stunden Aufenthalt an der Station zeigt der Lkw 99 Prozent Akkustand an.
Für die Planung eines Betriebshofs zählt deshalb, wie viel Leistung je Ladepunkt zur Verfügung steht, wenn mehrere Fahrzeuge gleichzeitig laden. Davon hängt mit ab, wie viel Standzeit die Disposition für das Laden einplanen muss.

In Georgien wird die Ausgangsspannung zum Auswahlkriterium
Auf der Fahrt vom Schwarzen Meer Richtung Tiflis prüft Tobias Wagner die Typenschilder der Ladestationen. In Batumi liest er an einer Anlage einen Gleichspannungsbereich von 150 bis 1.000 Volt ab. Den erfolgreichen Ladevorgang dokumentiert er später an einer anderen Station auf der Strecke, deren Nennleistung er mit 120 kW angibt. Er verbindet den GB/T-Stecker der Säule per Adapter mit dem CCS2-Anschluss des eActros. Nach einer kurzen Testladung setzt er den Ladevorgang fort und schließt ihn am nächsten Morgen ab.
Beim Typ-2-Test in Istanbul ging es um eine Wechselstromquelle für den mitgeführten externen Lader. In Georgien liefert die Station bereits Gleichstrom. Der Adapter vermittelt zwischen den Ladeprotokollen von GB/T und CCS2. Nach Wagners Angaben ist es der erste erfolgreiche Einsatz dieses Adapters am eActros. Für die Reise wurde die Software des Adapters angepasst.
Bei der Auswahl einer Station sind Steckertyp, Ausgangsspannung und Ladeleistung getrennt zu prüfen. Die Batteriespannung muss beim Laden im Arbeitsbereich der Säule liegen. Der erfolgreiche Versuch in Georgien belegt, dass die Kombination aus diesem Fahrzeug, Adapter und Ladepunkt funktioniert hat.
In Baku öffnet ein Busdepot seine Schnelllader für externe Fahrzeuge
Seit dem vorigen Ladestopp hat Wagner nach eigenen Angaben 838 Kilometer zurückgelegt. Der Bordcomputer zeigt für die Etappe einen Durchschnittsverbrauch von rund 65 kWh je 100 Kilometer an. Vor dem Laden in Baku liegt der Akkustand bei acht Prozent.
Wagner lädt über seinen GB/T-Adapter an einem Standort von Electrify Azerbaijan, den auch Elektrobusse nutzen. Für die dortige Säule nennt er 320 kW als Nennleistung. Bei 17 Prozent Akkustand gibt er die momentane Ladeleistung des eActros mit rund 191 kW an. Wie sich die Leistung über den gesamten Ladevorgang entwickelt, bleibt offen.
Das Personal weist den Lkw unter ein niedriges Dach ein. Wagner senkt das Fahrzeug über die Luftfederung ab und soll bei Bedarf für ankommende Busse Platz machen. Für Verkehrsbetriebe, die ihre Ladeplätze zeitweise für externe Fahrzeuge öffnen, gehören deshalb auch Zugangszeiten, Durchfahrtshöhe und der Vorrang für den eigenen Betrieb in die Standortinformationen.
Zwischen Baku und Kasachstan bestimmt die Fähre den Zeitplan
Mit weitgehend vollem Akku fährt Wagner von Baku zum Hafen Ələt. Dort muss er nach eigener Darstellung das am Heck mitgeführte Elektromotorrad separat erfassen lassen. Der Titel der Reisefolge nennt 109 Stunden für die Verschiffung. Der Zeitraum umfasst nach Wagners Schilderung die Wartezeit im Abfahrtshafen, die Überfahrt und mehr als 24 Stunden vor Anker vor Kuryk. Die Reederei ASCO nennt günstiges Wetter und freie Liegeplätze als Voraussetzungen für ihre regulären Abfahrtsintervalle.
Beim Einschalten des eActros im Zielhafen zeigt das Fahrzeug laut Wagner 89 Prozent Akkustand. Die Einreiseabfertigung des Motorrads verzögert die Weiterfahrt. Am nächsten Morgen gibt der Zoll die Honda nach Wagners Darstellung zur Einfuhr frei.
In Beineu scheitert der Ladeversuch an der Bezahlung
In Beineu erreicht Wagner mit 19 Prozent Akkustand einen Ladepunkt mit CCS2- und GB/T-Anschlüssen. Beim Versuch, den Ladevorgang über die App Vlife zu bezahlen, werden mehrere seiner Karten abgelehnt. Nach Rücksprache mit dem Support berichtet Wagner, dass bei diesem Zahlungsvorgang nur kasachische Karten akzeptiert würden. Der Support prüft eine Lösung. Als die Folge vom 4. November endet, hat Wagner den Ladevorgang in Beineu noch nicht starten können.
Was sich für Fuhrparks und Ladeparkbetreiber ableiten lässt
Für die Tourenplanung zählen neben Anschluss, Spannung und verfügbarer Leistung auch die Zufahrt, die Zugangszeiten und die akzeptierten Zahlungsmittel. Dieselben Angaben braucht die Disposition für einen Ausweichstandort.
Die Strecken- und Verbrauchswerte stammen von einem zum Reisemobil umgebauten eActros 600. Für Fuhrparks mit festen Anlieferterminen sind vor allem die dokumentierten Abläufe relevant. Wenn ein Ladeplatz zeitweise gesperrt ist oder die Zahlung scheitert, braucht die Disposition Zeitreserve und einen erreichbaren Ladepunkt, dessen Nutzung vorab geklärt ist.
Autor Matthias F. Bruchmann
FAQ
Hat der eActros 600 unterwegs tatsächlich über GB/T geladen?
Ja. Wagner dokumentiert das Gleichstromladen mit einem GB/T-auf-CCS2-Adapter in Georgien und erneut in Baku. Beim Test in Istanbul ging es um eine andere Lademöglichkeit über eine Wechselstromquelle.
Warum zeigt der eActros in Baku rund 191 kW, obwohl die Station mit 320 kW angegeben ist?
Die 320 kW sind die Stationsangabe. Die rund 191 kW sind der von Wagner bei 17 Prozent Akkustand genannte Momentanwert. Die Ursache der Differenz bleibt offen.
Wie lange dauerte die Fährpassage nach Kasachstan?
Die Reisefolge nennt rund 109 Stunden für den gesamten Abschnitt mit Hafenwartezeit und Überfahrt. Darin enthalten ist eine Wartezeit von mehr als 24 Stunden vor Anker vor Kuryk.
War das Laden in Beineu grundsätzlich unmöglich?
Die Folge zeigt Ladepunkte mit passenden Anschlüssen und abgelehnte Zahlungen mit Wagners Karten. Ob und wie er an diesem Standort anschließend laden konnte, bleibt am Ende der Folge offen.
Quellen und weiterführende Beiträge
Reisefolgen von Tobias Wagner (Elektrotrucker)
- 21.10.2026 · Ladeleistung und Standzeit ab 9:41 · Kappadokien und der vierte Ladestopp
- 25.10.2026 · Typenschild ab 35:18, GB/T-Laden ab 53:36 · Von der Türkei nach Georgien
- 28.10.2026 · Laden im Busdepot ab 1:21:19, Etappenwerte ab 1:25:07 · Von Tiflis zum Busdepot in Baku
- 01.11.2026 · Wartezeit vor Kuryk ab 1:00:49, Dauer der Verschiffung ab 1:12:47 · Mit der Fähre über das Kaspische Meer
- 04.11.2026 · Zollabfertigung ab 6:15, Zahlung und Support ab 54:37 · Einreise nach Kasachstan und Ladeversuch in Beineu
Pressemitteilung und Betreiberangaben
- Daimler Truck AG, 22.10.2026 · Zwischenbilanz der Weltreise und Bildarchiv
- Electrify Azerbaijan, abgerufen am 06.11.2026 · Ladestationen und Zugangszeiten
- ASCO, abgerufen am 06.11.2026 · Fährbetrieb auf dem Kaspischen Meer
Zur vorangegangenen Istanbul-Etappe
- Matthias F. Bruchmann, 16.10.2026 · Bruchmann Insight zur Istanbul-Etappe
- Tobias Wagner, 14.10.2026 · Reisefolge zum dritten Ladestopp in Istanbul







