KANAL Brüssel nutzt FINEO Vakuumglas für historische Stahlfassaden

KANAL in Brüssel: Vakuumglas ertüchtigt historische Stahlfassaden

2.280 FINEO-Vakuumglasscheiben auf knapp 3.900 Quadratmetern Fassadenfläche gehören zur Umnutzung der ehemaligen Citroën-Garage in Brüssel. Für das künftige Kulturzentrum KANAL mussten die historischen Stahlfassaden weitgehend erhalten und zugleich Wärme- und Schallschutz verbessert werden. Zum Einsatz kommt eine nur 9,7 Millimeter dicke Vakuumverglasung. Die Eröffnung von KANAL ist für den 28. November 2026 vorgesehen.

Ehemalige Citroën-Garage wird zum Kulturzentrum

Der Gebäudekomplex entstand Anfang der 1930er-Jahre als belgische Niederlassung des Automobilherstellers Citroën. Am Kanal Brüssel-Charleroi wurde ein weitläufiger Komplex aus Stahl, Beton und Glas errichtet.

Firmengründer André Citroën verstand seine Niederlassungen nicht nur als Verkaufsstandorte, sondern als sichtbaren Ausdruck der Marke. Der 25 Meter hohe, verglaste Showroom präsentierte die Fahrzeuge zur Stadt hin. Gemeinsam mit den dahinterliegenden Werkstatthallen bildete der Komplex die damals größte Garage Europas und gilt heute als eines der bedeutendsten Beispiele modernistischer Industriearchitektur Belgiens.

Nach dem Auszug von Citroën im Jahr 2014 standen die Gebäude mehrere Jahre leer. 2017 schrieb die Region Brüssel einen internationalen Architekturwettbewerb für die Umnutzung aus. Den Zuschlag erhielt Atelier KANAL, ein Zusammenschluss von noAarchitecten aus Brüssel, EM2N aus Zürich und Sergison Bates aus London.

Unter dem Leitgedanken „A Stage for Brussels“ entwickelte das Planungsteam einen Entwurf, der den Bestand nicht nur als Hülle für ein Museum versteht. Die ehemaligen Hallen, Rampen und Erschließungsachsen sollen weiterhin erlebbar bleiben und als öffentliche Räume genutzt werden.

„Wir wollten so viel wie möglich von den Qualitäten erhalten, die bereits im Gebäude vorhanden waren“, erklärt Projektarchitektin Arabella El Ginawy. Drei funktionale Baukörper wurden in die bestehende Struktur eingefügt. Die klimatisierten Ausstellungsräume befinden sich in diesen neuen Kuben, während Teile der ehemaligen Werkstätten als natürlich belüftete Zwischenzonen konzipiert wurden.

Mit der Durchführung des von der Fondation KANAL beauftragten Projekts wurde ein Baukonsortium aus BPC und CIT Blaton betraut.

Historische Stahlrahmen begrenzen die Glasauswahl

Für die kulturelle Nutzung mussten Wärme- und Schallschutz der Verglasung verbessert werden, ohne den Charakter der historischen Fassaden grundlegend zu verändern. Die vorhandene Verglasung aus gezogenem Glas war teilweise beschädigt und undicht. Hinzu kam die unmittelbare Lage des Gebäudes an stark befahrenen Straßen.

Kahle Acoustics entwickelte deshalb ein Akustikkonzept für die unterschiedlichen Gebäudebereiche. Die Verglasung soll Verkehrslärm reduzieren, geeignete Bedingungen für Ausstellungen und Veranstaltungen schaffen und zugleich die Schallübertragung in die Nachbarschaft begrenzen.

„FINEO ist eine dünne und leichte Verglasung mit hoher Schalldämmleistung, die zugleich elegant wirkt. An den besonders schallbelasteten Fassaden haben wir die Konstruktion zusätzlich mit umlaufenden Schallschutzdichtungen optimiert, um die akustischen Anforderungen zu erfüllen“, erklärt Vincent Berrier, Akustiker bei Kahle Acoustics.

Stephanie Mangé, Mitgründerin von Gevelinzicht Ingenieur-Architecten, untersuchte gemeinsam mit dem Planungsteam verschiedene Verglasungsarten. Gevelinzicht arbeitete dabei mit dem belgischen Stahl- und Aluminiumfassadenspezialisten Lootens sowie mit AGC Glass Europe zusammen. An der Universität Gent wurden unter anderem Prüfungen zur Luft- und Wasserdichtheit sowie Temperaturtests für das objektspezifische Befestigungssystem durchgeführt.

Geprüft wurden beschichtetes Einfachglas, konventionelle Isoliergläser, spezielle Isoliergläser für Baudenkmäler und unterschiedliche Vakuumglasprodukte. Die aus verschweißten L- und T-Profilen aufgebauten Bestandsrahmen waren ursprünglich für Einfachglas ausgelegt. Die vorhandenen Konstruktionen boten Aufnahmetiefen von lediglich vier beziehungsweise 5,5 Zentimetern.

Zugleich hatten sich zahlreiche Fassadenelemente im Laufe der Jahrzehnte dauerhaft verformt. Viele Glasfelder waren deshalb nicht mehr exakt rechtwinklig. Beschichtetes Einfachglas erfüllte nach Angaben des Planungsteams die Anforderungen an thermischen Komfort und Akustik nicht. Konventionelle Isoliergläser ließen sich nicht in die vorhandenen Stahlkonstruktionen integrieren.

Windlast und Kondensationsrisiko untersucht

Aufgrund der exponierten Lage am Kanal wurde außerdem eine statische Windlastanalyse vorgenommen. Als Mindestanforderung für eine Ausführung mit einfachem Glas ergab sich demnach eine Erhöhung der Glasdicke von vier auf acht Millimeter. Stärker windbelastete Bereiche der Rahmenkonstruktion mussten zusätzlich verstärkt werden.

Eine weitere Planungsfrage betraf das Kondensationsrisiko. Die wärmedämmende Verglasung sollte in thermisch nicht getrennte historische Stahlprofile eingebaut werden. Thermische und dynamische Simulationen dienten dazu, mögliche Auswirkungen dieser Kombination zu untersuchen.

„Obwohl die Verglasung damals noch vergleichsweise innovativ war, stellte sich sofort die Frage nach dem Kondensationsrisiko“, erläutert Stephanie Mangé. Die Simulationen hätten ein begrenztes Risiko und positive Auswirkungen auf das Raumklima ergeben.

Die Wahl fiel schließlich auf FINEO 10 in Kombination mit dem eisenarmen Weißglas Clearvision. Die Verglasung besitzt nach Herstellerangaben einen Ug-Wert von 0,8 W/(m²K) und eine Gesamtdicke von 9,7 Millimetern. Damit ist sie wesentlich dünner als konventionelle Mehrscheiben-Isolierverglasungen.

Der Ug-Wert liegt geringfügig über dem Wert der Standardausführung von FINEO, den AGC mit 0,7 W/(m²K) angibt. Ausschlaggebend für die gewählte Ausführung waren nach Angaben des Projektteams die Tageslichttransmission und eine möglichst neutrale Farbwiedergabe. Vor der endgültigen Festlegung wurden verschiedene Verglasungs- und Beschichtungslösungen anhand von Mock-ups untersucht.

Weitere Fassadenbereiche in den Gesamtzahlen enthalten

Die Gesamtangabe von rund 2.280 Vakuumglasscheiben auf knapp 3.900 Quadratmetern umfasst neben den Werkstattfassaden und dem Showroom weitere Teile des Gebäudekomplexes.

Dazu gehören der Annex mit 90 Scheiben auf 137 Quadratmetern, Türen am Akenkaai und Willebroekkaai mit 24 Scheiben auf 25 Quadratmetern sowie der als Rassembleur bezeichnete Gebäudebereich mit 156 Scheiben auf 256 Quadratmetern. In den großen horizontalen Schiebetoren am Eingang wurden weitere 80 Scheiben auf rund 115 Quadratmetern eingesetzt.

Zusammen mit den rund 1.400 Scheiben der Werkstattfassaden und 529 Scheiben im Showroom ergeben sich damit insgesamt rund 2.280 Einheiten.

Rund 1.400 Scheiben für die Werkstattfassaden

In den historischen Werkstattfassaden kamen auf einer Fläche von rund 2.200 Quadratmetern etwa 1.400 FINEO-Scheiben zum Einsatz. Die Montage übernahm AGC Mirodan Bouwglas.

Die Breiten der Scheiben variieren zwischen 1.005 und 1.340 Millimetern, die Höhen zwischen 1.250 und 1.300 Millimetern. Aufgrund der Verformungen der historischen Fassaden unterschieden sich zahlreiche Felder in ihren Abmessungen und Winkeln. Teilweise wurden Diagonalabweichungen von mehr als drei Zentimetern festgestellt.

„Keine Scheibe musste wegen falscher Abmessungen neu produziert werden. Die Stärken des Vakuumglases sehe ich vor allem im geringen Gewicht sowie in den guten Wärme- und Schalldämmeigenschaften – in meinen Augen ist es das Glas der Zukunft.“

Sven Delaere, Geschäftsführer, AGC Mirodan Bouwglas

Der Zustand der vorhandenen Verglasung und der Stahlprofile ließ eine vollständige Sanierung der Werkstattfassaden am Gebäude nicht zu. Die Fassadenelemente wurden daher ausgebaut, extern restauriert und anschließend wieder eingesetzt.

Die Montage war zudem durch schwer zugängliche Bereiche erschwert. Einige Glasfelder lagen hinter später eingebauten Wänden oder zusätzlichen Stahlverstärkungen. Das gegenüber konventionellen Mehrscheiben-Isoliergläsern geringere Gewicht der Vakuumverglasung erleichterte nach Angaben des ausführenden Unternehmens die Arbeiten.

Neues Anschlussdetail für historische Profile

Die FINEO-Einheiten waren trotz ihrer geringen Gesamtdicke stärker als die ursprüngliche Einfachverglasung. Ein konventioneller Einbau in die vorhandene Glasnut war deshalb nicht möglich.

CIT Blaton entwickelte gemeinsam mit den Fassadenberatern ein objektspezifisches Anschlussdetail. Nach dem Einsetzen wird das Glas durch nachträglich montierte Halteprofile fixiert. Eine umlaufende Glasleiste und eine Eckfuge gleichen Verformungen und Maßtoleranzen der historischen Konstruktion aus.

Da die ursprünglichen Stahlprofile keine geregelte Entwässerung besaßen, erhielt das untere Halteprofil einen definierten Abstand zum Bestandsrahmen. Edelstahl-Glashalteleisten sollen das Kondensationsrisiko reduzieren. Die Glasfalze wurden außerdem mit einem Schaumstoffband ausgefüllt, das zugleich Teil des akustischen Konzepts ist. Im unteren Anschlussbereich wurde eine Entwässerungsmöglichkeit für eventuell auftretendes Kondensat vorgesehen.

Rekonstruierte Fassade für den Showroom

Für den ehemaligen Citroën-Showroom galten andere Voraussetzungen als für die Werkstattfassaden. Die historischen Stahlstützen aus dem Jahr 1934 blieben erhalten, während die nicht mehr vorhandenen beziehungsweise zu ersetzenden Fenster- und Querprofile anhand historischer Aufnahmen rekonstruiert wurden.

Da der Showroom künftig zu den klimatisierten Bereichen gehört, waren die Anforderungen an die Gebäudehülle dort höher. Auf rund 1.160 Quadratmetern Fassadenfläche wurden 529 Vakuumglasscheiben eingesetzt. Die einzelnen Glasfelder sind ungefähr 1,05 Meter breit und 2,10 Meter hoch.

Nach der ersten Planungsphase übernahm Lootens die weitere technische Ausarbeitung. Das Unternehmen ergänzte die Planung um Fertigungs- und Montagedetails sowie projektspezifische Fassadenlösungen. Dazu gehören vertikale Schiebeelemente im Erdgeschoss, die bis zu sechs Meter breit sind und das Gebäude zum angrenzenden Stadtraum öffnen können.

Wiederverwendung der Werkstattfassaden

Werkstätten und Showroom erforderten unterschiedliche Fassadenkonstruktionen. Gemeinsam ist beiden Bereichen das Ziel, vorhandene Bauteile möglichst weitgehend instand zu setzen und erneut zu verwenden.

Gevelinzicht Ingenieur-Architecten beziffert die durch die Wiederverwendung der Werkstattfassaden vermiedenen Emissionen auf rund 61.000 Kilogramm CO₂-Äquivalente. Eine detaillierte Berechnungsmethode wird in der Projektinformation nicht ausgewiesen.

Nach Angaben des Planungsteams wäre eine vollständig neue Vorhangfassade konstruktiv einfacher und teilweise wirtschaftlicher gewesen. Die Entscheidung fiel dennoch zugunsten der Restaurierung und Weiternutzung der vorhandenen Fassadenelemente.

Das Projekt zeigt damit, welchen planerischen und handwerklichen Aufwand die energetische Ertüchtigung historischer Stahl-Glas-Fassaden erfordern kann. Neben den Eigenschaften der Verglasung entscheiden objektspezifische Anschlussdetails, die genaue Vermessung des Bestands sowie Untersuchungen zu Windlast, Akustik, Feuchtigkeit und Temperatur über die technische Umsetzbarkeit.

„Dieses Projekt zeigt, dass sich Bestandserhalt und moderne Energieeffizienz miteinander verbinden lassen. Die enge Zusammenarbeit von Architekten, Planern, Fassadenbauern und Glasexperten hat von der ersten Entwurfsphase bis zur Montage entscheidend zum Projekterfolg beigetragen.“

Stefan Lips, Sales Director Europe, FINEO

Weitere Informationen über FINEO-Vakuumglas finden Interessierte auf der Website von AGC unter www.fineoglass.eu.

Herstellerinformationen, redaktionell bearbeitet. Für technische Angaben, Produkteigenschaften und projektbezogene Berechnungen ist der Hersteller beziehungsweise die jeweils genannte Projektbeteiligte verantwortlich.

FAQ

Wann wird das Kulturzentrum KANAL in Brüssel eröffnet?

Die Eröffnung von KANAL in der ehemaligen Citroën-Garage ist nach Angaben der Fondation KANAL für den 28. November 2026 vorgesehen.

Wie viele FINEO-Vakuumglasscheiben wurden bei KANAL eingesetzt?

Im Gesamtprojekt kommen rund 2.280 Vakuumglasscheiben auf knapp 3.900 Quadratmetern Fassadenfläche zum Einsatz. Die Angaben umfassen die Werkstattfassaden, den Showroom, den Annex, den Rassembleur, verschiedene Türen und die großen Schiebetore am Eingang.

Warum wurde für die historischen Fassaden Vakuumglas gewählt?

Die historischen Stahlrahmen waren ursprünglich für Einfachglas ausgelegt und boten nur begrenzten Raum für eine neue Verglasung. Das eingesetzte Vakuumglas besitzt eine Gesamtdicke von 9,7 Millimetern und erreicht nach Herstellerangaben einen Ug-Wert von 0,8 W/(m²K).

Wie wurden die Vakuumglasscheiben in den historischen Stahlrahmen befestigt?

Da ein konventioneller Einbau in die vorhandenen Glasnuten nicht möglich war, entwickelten die Projektbeteiligten ein spezielles Anschlussdetail. Nachträglich montierte Halteprofile, umlaufende Glasleisten und Eckfugen fixieren die Scheiben und gleichen Toleranzen der historischen Konstruktion aus.

Wie wurde mit Kondensat in den alten Stahlprofilen umgegangen?

Das Planungsteam untersuchte das Kondensationsrisiko mithilfe thermischer und dynamischer Simulationen. Zusätzlich wurden Edelstahl-Glashalteleisten, Schaumstoffbänder und eine Entwässerungsmöglichkeit im unteren Anschlussbereich vorgesehen.

Welchen Beitrag leistet die Wiederverwendung der Fassaden zum Klimaschutz?

Gevelinzicht Ingenieur-Architecten beziffert die durch die Wiederverwendung der Werkstattfassaden vermiedenen Emissionen auf rund 61.000 Kilogramm CO₂-Äquivalente. Eine detaillierte Berechnungsmethode ist in der vorliegenden Projektinformation nicht ausgewiesen.

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