Akkutechnik im GaLaBau braucht mehr als Leistung

Vorführung professioneller Akkutechnik bei einer Presseveranstaltung auf dem Kärcher-Gelände in Winnenden 2026. Foto: Matthias Bruchmann / Verlag Bruchmann

Wo elektrische Geräte überzeugen – und wo ihre Grenzen liegen

Ob professionelle Akkutechnik im GaLaBau einen ganzen Arbeitstag trägt, entscheidet nicht allein die Leistung eines einzelnen Geräts. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Laufzeit, Ladeplanung, Ergonomie und Organisation. Teil 4 der Bruchmann-Insight-Serie vergleicht die Plattformstrategien von Makita, Milwaukee und Kärcher. Dabei reicht das Spektrum von LXT und XGT über M12, M18 und MX FUEL bis zum Wechsel von Kärcher Battery Power+ auf die gemeinsam mit STIHL genutzte ALLPRO-Plattform ab Januar 2027.

 

Anbieter Systemgedanke Besonders passend für
Makita Breites LXT-System plus leistungsorientierte XGT-Klasse Betriebe mit Werkzeug-, Garten- und Baustelleneinsatz
Milwaukee M12 und M18 sowie MX FUEL für schwere Baugeräte; ergänzt durch PACKOUT und ONE-KEY Mehrere Teams, Baustelleneinsatz, Fahrzeuglogistik und Geräteverwaltung
Kärcher Battery Power+ im Bestand; Wechsel zu ALLPRO ab Januar 2027 gemeinsam mit STIHL Betriebe, die professionelle Reinigung mit Garten- und Landschaftspflege verbinden

 

Garten- und Landschaftsbaubetriebe können heute für immer mehr Arbeiten auf Akkugeräte zurückgreifen. Das Angebot reicht von Heckenscheren, Freischneidern und Blasgeräten über Kettensägen und Rasenmäher bis zu Erdbohrern, Trennschleifern, Hochdruckreinigern und weiteren Baustellenmaschinen. Damit ist die frühere Grundsatzfrage, ob Akkutechnik überhaupt professionelle Leistung erreichen kann, für zahlreiche Anwendungen überholt.

Die schwierigere Frage beginnt danach: Hält das gesamte System einen Arbeitstag durch?

Im professionellen Einsatz reicht es nicht, wenn ein einzelnes Gerät im Vorführbetrieb überzeugt. Akkus müssen verfügbar sein, Ladezeiten in die Einsatzplanung passen und Energie muss am Betriebshof, im Fahrzeug oder auf der Baustelle bereitstehen. Hinzu kommen Gewicht, Ergonomie, Witterung, Arbeitsschutz, Service und die langfristige Bindung an eine Plattform.

Teil 4 der Bruchmann-Insight-Serie zur GaLaBau 2026 ordnet deshalb nicht einzelne Maschinen als vermeintliche Sieger ein, sondern betrachtet die dahinterstehenden Plattformstrategien. Makita verbindet ein breites Gerätespektrum mit unterschiedlichen Leistungsklassen. Milwaukee ergänzt M12 und M18 für besonders leistungsintensive Anwendungen um MX FUEL. Kärcher vollzieht dagegen den Übergang von der bisherigen Battery-Power+-Plattform zu ALLPRO, der gemeinsam mit STIHL genutzten Plattform für professionelle Reinigungs-, Garten- und Forstanwendungen. Entscheidend ist, welcher Ansatz zu den Aufgaben, vorhandenen Geräten und künftigen Investitionen eines Betriebs passt.

Nicht das Gerät, sondern der Arbeitstag ist der Maßstab

Ein typischer Arbeitstag im GaLaBau besteht selten aus einer einzigen Tätigkeit. Am Morgen werden Hecken geschnitten oder Wege freigeblasen, anschließend Pfosten gesetzt, Naturstein bearbeitet oder Grünflächen gepflegt. Später folgen Reinigungs-, Transport- oder Montagearbeiten. Mehrere Teams können gleichzeitig an verschiedenen Orten arbeiten.

Damit verändert sich die Bewertungsgrundlage. Die Leistung eines Freischneiders oder einer Kettensäge bleibt wichtig. Für den Betrieb zählt aber zusätzlich, wie viele Akkus gleichzeitig benötigt werden, wann sie zurückkehren, wo sie geladen werden und ob dieselben Energiespeicher in anderen Geräten eingesetzt werden können.

Gerade bei wechselnden Tätigkeiten kann Akkutechnik ihre Stärke ausspielen. Ein Gerät läuft häufig nicht acht Stunden ohne Unterbrechung, sondern in Arbeitsphasen. Während gemessen, geräumt, Material bewegt oder Schnittgut aufgenommen wird, steht die Maschine. Solche Unterbrechungen können Akkuwechsel oder Zwischenladen ermöglichen.

Anders sieht es bei lang andauernden Hochlastarbeiten aus. Großflächiges Mähen, starkes Freischneiden, intensives Laubblasen oder schwere Trenn- und Sägearbeiten können über längere Zeit eine hohe Leistung verlangen. Dann entscheidet nicht die kurzzeitig erreichbare Spitzenleistung, sondern die Kombination aus Dauerleistung, nutzbarer Energie, Akkuwechseln und Ladegeschwindigkeit.

Warum Amperestunden allein wenig aussagen

Akkus werden häufig über Spannung und Amperestunden beschrieben. Für einen Vergleich der gespeicherten Energie ist jedoch die Wattstunde aussagekräftiger. Vereinfacht gilt:

Wattstunden = Volt × Amperestunden.

Ein Akku mit 500 Wattstunden könnte ein Gerät mit einer durchschnittlichen Leistungsaufnahme von 1.000 Watt rechnerisch etwa eine halbe Stunde versorgen. Das ist lediglich ein Idealwert. In der Praxis verändern Lastspitzen, Leistungsstufen, Temperatur, Wirkungsgrad, Schutzabschaltungen und Arbeitsweise die tatsächliche Laufzeit.

Auch Herstellerangaben sind nur dann unmittelbar vergleichbar, wenn sie unter denselben Bedingungen ermittelt wurden. Eine Laufzeit im Teillastbetrieb sagt wenig darüber aus, wie lange ein Gerät unter dauerhafter hoher Last arbeitet. Für Betriebe sind deshalb eigene Tests mit typischen Materialien, Flächen und Arbeitsabläufen belastbarer als isolierte Prospektwerte.

Die entscheidende Kennzahl lautet nicht: Wie lange läuft der Akku grundsätzlich? Sondern: Wie viel produktive Arbeit erledigt das Team mit einer Ladung unter den eigenen Bedingungen?

Ladeplanung beginnt vor dem Gerätekauf

Mit wachsender Akku-Flotte wird das Laden zu einem betrieblichen Prozess. Einzelne Ladegeräte an beliebigen Steckdosen reichen nicht zwangsläufig aus, wenn morgens mehrere Teams gleichzeitig vollständig ausgerüstet starten sollen.

Vor der Beschaffung sollten Betriebe deshalb klären:

 Wie viele Geräte laufen gleichzeitig und mit welchen Leistungsstufen?

 Welche Akkus müssen zu Schichtbeginn vollständig verfügbar sein?

 Reicht das Laden über Nacht oder werden Akkus tagsüber erneut benötigt?

 Welche elektrische Anschlussleistung steht in Werkstatt, Lager und Fahrzeugen zur Verfügung?

 Wie werden Akkus gekennzeichnet, geprüft und einzelnen Teams zugeordnet?

 Was geschieht mit beschädigten, auffällig warmen oder nicht mehr zuverlässig arbeitenden Akkus?

Mehr Ladegeräte lösen nicht automatisch jedes Problem. Wenn viele Schnelllader gleichzeitig betrieben werden, muss die elektrische Infrastruktur dazu passen. Umgekehrt kann ein gesteuertes Laden vermeiden, dass alle Akkus zur selben Zeit mit höchster Leistung geladen werden, obwohl ein Teil erst am nächsten Morgen benötigt wird.

Bei der derzeitigen Battery-Power+-Plattform zeigt Kärcher mit der Real Time Technology, wie wichtig verlässliche Energiedaten für die Einsatzplanung werden: Das Display zeigt je nach Situation die verbleibende Lauf- oder Ladezeit in Minuten an. Die Information ersetzt keine Ladeplanung, erleichtert aber die Entscheidung, ob ein Akku für den nächsten Arbeitsabschnitt ausreicht. Das verdeutlicht eine Entwicklung, die über einen Hersteller hinausreicht: Akku und Ladegerät werden von Zubehörteilen zu Bestandteilen der Betriebsinfrastruktur.

Makita verbindet große Systembreite mit einer höheren Leistungsklasse

Makita steht auf der GaLaBau 2026 für zwei nebeneinander bestehende Plattformen. Nach Angaben im offiziellen Ausstellerprofil umfasst das 18-Volt-LXT-System mehr als 430 Maschinen und Gartengeräte. Für Anwendungen mit höherem Leistungsbedarf hat das Unternehmen zusätzlich das XGT-System mit 40 Volt max. aufgebaut.

Das XGT-Sortiment umfasst unter anderem Akku-Kettensägen, Hochentaster, Rasenmäher, Freischneider, Heckenscheren und weitere Gartengeräte. Hinzu kommen Baustellenmaschinen wie Erdbohrer, Trennschleifer, Hochdruckreiniger und Sägen. Die bereits auf dem Verlag-Bruchmann-Portal vorgestellte Akku-Tisch-, Kapp- und Gehrungssäge LH001G ist kein typisches Grünpflegegerät. Sie zeigt aber, wie weit die Plattform inzwischen in leistungsintensive Baustellenanwendungen reicht.

Als konkrete Neuheiten für die GaLaBau 2026 kündigt Makita innerhalb des XGT-Systems das Akku-Rucksackgebläse UB004G, die Akku-Kettensägen UC030G und UC031G sowie den Akku-LED-Baustrahler ML014G an. Mit 8,8 Kilogramm einschließlich zweier BL4080H-Akkus mit 40V max. ist das UB004G nach Angaben von Makita derzeit das leichteste Akku-Rucksackgebläse seiner Klasse (Stand August 2026). Es erreicht eine maximale Luftgeschwindigkeit von 96 Metern pro Sekunde sowie ein Luftvolumen von 19,1 Kubikmetern pro Minute. Die UC030G ist mit einer von Makita angegebenen Ausgangsleistung von 2.800 Watt für Fäll-, Entastungs- und Zuschnittarbeiten ausgelegt, während die kompaktere Top-Handle-Kettensäge UC031G professionelle Arbeiten in der Baumkrone abdeckt. Der bis zu 15.000 Lumen starke und teleskopierbare Baustrahler ML014G verdeutlicht zusätzlich, dass die Plattform über die Grün- und Baumpflege hinausreicht.

Für GaLaBau-Betriebe liegt darin eine Chance und zugleich eine Planungsaufgabe. Eine breite Plattform kann Akkus über unterschiedliche Arbeitsbereiche hinweg besser auslasten. Mehrere Leistungsklassen bedeuten aber auch, dass ein Betrieb prüfen muss, welche vorhandenen Akkus tatsächlich mit welchen neuen Geräten kompatibel sind. Die Bezeichnungen LXT und XGT stehen nicht für ein einziges, vollständig austauschbares System.

Makita ergänzt die Technik um Beratung, Testgeräte, Schulungen und Service-Center. Gerade bei einer größeren Umstellung ist dieser Praxistest wichtiger als der Vergleich einzelner Datenblätter. Ein Betrieb sollte nicht nur testen, ob eine Maschine die Aufgabe bewältigt, sondern einen kompletten Arbeitstag mit realer Personal- und Ladeplanung simulieren.

Makita ist auf der GaLaBau vom 15. bis 18. September 2026 in Halle 11.0, Stand 11.0-403 sowie auf der Aktionsfläche PF 6 vertreten.

 

Milwaukee verbindet Akkugeräte mit Organisation und Arbeitsschutz

Milwaukee verfolgt einen anderen Systemansatz. M12 und M18 decken unterschiedliche Geräte- und Leistungsklassen ab; nach Unternehmensangaben können beide Systeme mit einem systemkompatiblen Ladegerät bedient werden. Das Outdoor-Programm umfasst unter anderem Rasenmäher, Heckenscheren, Kettensägen, Freischneider und Blasgeräte.

Auf der GaLaBau stellt Milwaukee beziehungsweise die Techtronic Industries Central Europe GmbH unter anderem einen M18-FUEL-Freischneider und eine M18-FUEL-Kettensäge vor, die jeweils mit zwei 18-Volt-Akkus arbeiten. Damit wird deutlich, wie Hersteller innerhalb einer bestehenden Plattform höhere Leistungsanforderungen abdecken: Statt eine weitere Spannungsklasse einzuführen, werden bei bestimmten Geräten zwei Akkus derselben Systemfamilie kombiniert.

Für besonders leistungsintensive Baustellenanwendungen ergänzt Milwaukee die Systeme M12 und M18 um die eigenständige Plattform MX FUEL. Nach Unternehmensangaben wurde sie für Baugeräte entwickelt, die bislang überwiegend mit Benzin, Netzstrom oder Druckluft betrieben wurden. Dazu gehören unter anderem Trennschleifer, Abbruchhämmer und Rüttelplatten. Für GaLaBau-Betriebe erweitert das die Einsatzmöglichkeiten bei Beton-, Stein-, Abbruch- und Verdichtungsarbeiten. Die MX-FUEL-Akkus sind allerdings nicht mit M12 oder M18 kompatibel; mit der zusätzlichen Leistungsstufe entsteht daher auch eine weitere Akku- und Ladeinfrastruktur.

Für die Praxis ist dabei nicht nur die Maschine relevant. Milwaukee verbindet das Gerätesortiment mit dem modularen PACKOUT-Transportsystem und der digitalen Werkzeugverwaltung ONE-KEY. Akkus werden dadurch zwar nicht automatisch geladen, aber Geräte, Standorte und Zuständigkeiten können organisatorisch besser erfasst werden. Gerade bei mehreren Fahrzeugen und wechselnden Teams kann der Verlust eines Gerätes oder ein ungeklärter Einsatzort ebenso produktivitätskritisch sein wie ein leerer Akku.

Auch das auf dem Presseportal Bruchmann vorgestellte Automotive-Programm ist für den GaLaBau nur ein ergänzendes Beispiel. Akku-Starthilfe und Akku-Ratschen sind keine zentralen Grünpflegegeräte. Sie zeigen jedoch, dass dieselbe Plattform neben der eigentlichen Landschaftspflege auch Werkstatt- und Servicearbeiten abdecken kann.

Milwaukee ist auf der GaLaBau 2026 in Halle 11.0, Stand 11.0-405 vertreten.

Kärcher wechselt von Battery Power+ zur ALLPRO-Allianz

Kärcher richtet seine professionelle Akkustrategie neu aus. Während die derzeit angebotenen Professional-Geräte noch auf der 36-Volt-Plattform Battery Power+ basieren, soll die nächste Gerätegeneration zum 1. Januar 2027 auf die neue ALLPRO-Plattform wechseln. Technologische Grundlage ist das von STIHL entwickelte Akkusystem, das künftig in professionellen Geräten beider Hersteller eingesetzt wird.

Für GaLaBau-Betriebe ist vor allem die herstellerübergreifende Nutzung interessant. Dieselben Akkus und Ladegeräte sollen künftig sowohl professionelle Reinigungsgeräte von Kärcher als auch Garten-, Landschaftspflege- und Forstgeräte von STIHL versorgen. Vorhandene Akkus aus dem STIHL-AP-System können nach Angaben der Unternehmen auch in den neuen Kärcher-ALLPRO-Geräten verwendet werden. Zum angekündigten Gesamtsystem sollen einschließlich weiterer Kooperationspartner mehr als 120 Geräte gehören.

Für bestehende Kärcher-Kunden ist jedoch eine wichtige Einschränkung zu beachten: ALLPRO ist keine Erweiterung der bisherigen Battery-Power+-Plattform, sondern ein neues Akkusystem. Die neuen ALLPRO-Akkus sind nicht mit vorhandenen Kärcher-Battery-Power+-Geräten kompatibel; entsprechende Adapter sind nach Angaben von Kärcher aus technischen und sicherheitsrelevanten Gründen nicht vorgesehen. Kärcher kündigt zugleich an, Ersatzteile, Akkus und Ladegeräte für bestehende Battery-Power+-Geräte noch mindestens zehn Jahre bereitzuhalten.

Auch die Bezeichnung 40V MAX darf nicht mit einem grundlegend höheren Spannungsniveau verwechselt werden. Kärcher gibt für ALLPRO weiterhin eine Nennspannung von 36 Volt an. Die Bezeichnung 40V MAX bezieht sich auf die maximale Anfangsspannung ohne Last. Trotz gleicher Nennspannung unterscheiden sich Battery Power+ und ALLPRO technisch und mechanisch voneinander.

Bis zur Markteinführung der neuen Kärcher-Geräte zeigt die bestehende Battery-Power+-Plattform weiterhin, wie sich Außenpflege und professionelle Reinigung miteinander verbinden lassen. Dazu gehören unter anderem der Kaltwasser-Hochdruckreiniger HD 4/11 C Bp, der Laubbläser LB 930/36 Bp sowie Akku-Sauger und handgeführte Kehrmaschinen. Diese Geräte bleiben für vorhandene Flotten relevant und fallen unter die von Kärcher angekündigte Ersatzteil- und Akkuversorgung, gehören aber nicht zur neuen ALLPRO-Plattform.

Für Betriebe entsteht damit eine differenzierte Beschaffungssituation. Wer bereits Battery-Power+-Geräte nutzt, kann diese mit der zugesagten Ersatzteil- und Akkuversorgung weiterbetreiben. Bei einer längerfristigen Neuorientierung eröffnet ALLPRO dagegen die Möglichkeit, Reinigungs-, Garten- und Forsttechnik über eine gemeinsame Akkuplattform zu organisieren. Betriebe mit vorhandenen STIHL-AP-Akkus erhalten dabei einen direkten Zugang zu den ab 2027 angekündigten Kärcher-Geräten.

Die strategischen und wirtschaftlichen Folgen dieser Zusammenarbeit hat Verlag Bruchmann bereits im Beitrag „Wie die Akku-Allianz von STIHL und Kärcher den professionellen Gerätemarkt verändert“ ausführlich eingeordnet.

Die Kärcher Municipal GmbH ist im offiziellen Ausstellerverzeichnis der GaLaBau 2026 in Halle 8, Stand 8-402, aufgeführt. In diesem Beitrag stehen die professionellen Reinigungs-, Pflege- und Akkugeräte von Kärcher im Mittelpunkt. Die Kommunalfahrzeuge von Kärcher Municipal wurden bereits in Teil 3 behandelt.

 

Präsentation eines professionellen Kärcher-Akkugeräts auf dem Firmengelände in Winnenden.
Präsentation eines professionellen Kärcher-Akkugeräts auf dem Firmengelände in Winnenden. Foto: Matthias Bruchmann / Verlag Bruchmann

 

Die Plattformentscheidung schafft auch Abhängigkeiten

Je größer die Akku-Flotte wird, desto höher werden die Wechselkosten. Wer Akkus, Ladegeräte, Transportlösungen, Software und Schulungen auf eine Plattform ausrichtet, entscheidet nicht nur über die nächste Maschine. Die Wahl beeinflusst spätere Beschaffungen und kann den Anbieterwechsel erschweren.

Das ist nicht grundsätzlich nachteilig. Standardisierung kann Lagerhaltung, Einweisung und Einsatzplanung vereinfachen. Problematisch wird sie, wenn ein Betrieb seine Entscheidung ausschließlich an der Zahl kompatibler Geräte oder an einem kurzfristig attraktiven Paketpreis ausrichtet.

Vor einer Festlegung sollten mindestens folgende Punkte geprüft werden:

 Deckt die Plattform die tatsächlich häufig eingesetzten Geräteklassen ab?

 Welche Hochlastanwendungen benötigen eine andere Spannungsklasse oder zwei Akkus?

 Bleiben ältere Akkus und Ladegeräte nutzbar?

 Welche Zusagen gibt es zu Ersatzteilen, Akkus und Service über die geplante Nutzungsdauer?

 Wie dicht ist das Fachhandels- und Servicenetz in der eigenen Region?

 Lassen sich Geräte und Akkus digital verwalten, und wem gehören die dabei entstehenden Daten?

 Welche Möglichkeiten bestehen, die Flotte später mit vertretbarem Aufwand zu erweitern oder zu wechseln?

Es gibt deshalb keinen pauschalen Sieger unter den Plattformstrategien. Ein Betrieb mit einem großen vorhandenen LXT-Bestand bewertet Makita anders als ein Unternehmen, das bereits M18-Werkzeuge oder MX-FUEL-Geräte nutzt. Bei Kärcher muss zusätzlich zwischen Bestand und Zukunft unterschieden werden: Vorhandene Battery-Power+-Geräte können weiterbetrieben werden, sind aber nicht mit ALLPRO kompatibel. Betriebe mit Akkus aus dem STIHL-AP-System können diese dagegen ab 2027 auch in den neuen Kärcher-ALLPRO-Geräten einsetzen. Die Entscheidung betrifft somit nicht nur einzelne Maschinen, sondern auch vorhandene Akkus, künftige Beschaffungen und mögliche Parallelplattformen.

Weniger Abgase und Lärm bedeuten nicht automatisch weniger Arbeitsschutz

Akkugeräte verursachen am Einsatzort keine Motorabgase. Viele Modelle arbeiten zudem leiser und vibrationsärmer als vergleichbare verbrennungsmotorische Geräte. Das kann Einsätze in Wohngebieten, an Schulen, Kliniken oder während des laufenden Betriebs erleichtern.

Eine pauschale Freigabe von Gehörschutz oder anderen Schutzmaßnahmen lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau weist darauf hin, dass die konkrete Lärm- und Vibrationsbelastung anhand der Herstellerwerte und der personenbezogenen Gefährdungsbeurteilung zu bewerten ist. Auch ein Akkugerät kann abhängig von Gerät, Werkzeug, Material und Einsatzdauer relevante Belastungen erzeugen.

Ähnliches gilt für die Ergonomie. Der Wegfall eines Verbrennungsmotors kann Gewicht und Vibrationen reduzieren. Große Akkus oder der Einsatz von zwei Energiespeichern erhöhen jedoch das zu tragende Gewicht und verändern die Balance. Rückentragbare Akkus verlagern die Last, lösen aber nicht automatisch jede körperliche Belastung. Entscheidend sind Gerät, Tragesystem, Arbeitsdauer und die körperlichen Voraussetzungen des Mitarbeiters.

Auch Lagerung und Laden gehören in die Gefährdungsbeurteilung. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung empfiehlt unter anderem, nur vom Hersteller zugelassene Ladegeräte zu verwenden, Akkus vor mechanischer Beschädigung zu schützen und auffällige oder beschädigte Energiespeicher gesondert zu behandeln. Ladebereiche müssen zur Zahl und Größe der eingesetzten Akkus passen. Improvisierte Mehrfachsteckdosen und unkontrollierte Ladeplätze sind kein tragfähiges Flottenkonzept.

Wo Akkutechnik heute besonders gut passt

Akkugeräte überzeugen besonders dort, wo Einsatzprofile planbar sind und die betrieblichen Vorteile tatsächlich genutzt werden:

 bei Grünpflege- und Reinigungsarbeiten in lärmsensiblen Bereichen,

 bei häufigem Starten und Stoppen statt dauerhaftem Volllastbetrieb,

 bei mobilen Kurzeinsätzen ohne schnell erreichbaren Stromanschluss,

 wenn mehrere Geräte derselben Plattform nacheinander genutzt werden,

 wenn Akkus während natürlicher Arbeitsunterbrechungen gewechselt oder geladen werden können,

 wenn der Wegfall von Kraftstoff, Motorwartung und lokalen Abgasen Abläufe vereinfacht.

Der wirtschaftliche Nutzen entsteht dabei nicht allein durch eingesparte Kraftstoffkosten. Weniger Rüstaufwand, einfacheres Starten, geringere Wartungsanforderungen und zusätzliche mögliche Einsatzzeiten können ebenso relevant sein. Diese Vorteile müssen jedoch betriebsspezifisch erfasst werden; sie lassen sich nicht seriös als allgemeiner Prozentwert versprechen.

Wo Grenzen und Mischflotten bleiben

Grenzen zeigen sich vor allem bei langen Hochlastphasen, fehlender Ladeinfrastruktur und schwer planbaren Einsätzen. Muss ein Team den ganzen Tag fernab des Betriebshofs mähen, sägen oder trennen, kann eine große Zahl von Wechselakkus erforderlich werden. Das erhöht Gewicht, Platzbedarf und gebundenes Kapital im Fahrzeug.

Auch saisonale Spitzen sind kritisch. Wenn mehrere Teams gleichzeitig Laub beseitigen oder große Pflegeaufträge abarbeiten, reicht eine auf den Durchschnitt ausgelegte Akku-Flotte möglicherweise nicht aus. Reservekapazität verursacht Kosten, wird außerhalb dieser Spitzen aber nur begrenzt genutzt.

Witterung und Zustand der Akkus beeinflussen zusätzlich die Verfügbarkeit. Sehr hohe oder niedrige Temperaturen können Lade- und Leistungsfähigkeit begrenzen. Beschädigte Akkus dürfen nicht einfach weiterverwendet oder zusammen mit intakten Energiespeichern gelagert werden.

Für viele Betriebe wird die realistische Lösung deshalb zunächst eine Mischflotte bleiben. Akkugeräte übernehmen planbare, lärmsensible und häufig wechselnde Arbeiten. Verbrennungsmotorische Geräte bleiben dort im Einsatz, wo lange hohe Leistung, schnelle Betankung oder fehlende Stromversorgung entscheidend sind. Ob und wie schnell sich dieses Verhältnis verschiebt, entscheidet der konkrete Arbeitsalltag – nicht ein allgemeines Bekenntnis zu einer Antriebsart.

Beschaffungs-Checkliste für professionelle Akkusysteme

Vor einer größeren Umstellung sollten Betriebe mindestens einen vollständigen typischen Arbeitstag abbilden:

 Aufgabenprofil: Welche Geräte werden wann, wie lange und mit welcher Last eingesetzt?

 Gleichzeitigkeit: Wie viele Teams benötigen dieselbe Akkuplattform parallel?

 Energiebedarf: Welche Wattstunden werden unter realen Bedingungen je Gerät und Schicht verbraucht?

 Ladestrategie: Was wird über Nacht, im Fahrzeug, am Einsatzort oder in Pausen geladen?

 Anschlussleistung: Reichen Stromkreise und Ladeplätze für die geplante Zahl der Ladegeräte aus?

 Reserve: Wie viele Akkus werden für Spitzen, Ausfälle und ungeplante Zusatzarbeiten benötigt?

 Ergonomie: Wie verändern Akkugewicht, Balance und Tragesystem die körperliche Belastung?

 Sicherheit: Wie werden Akkus kontrolliert, transportiert, geladen und bei Schäden ausgesondert?

 Service: Wie schnell sind Reparatur, Ersatzgerät und Ersatzakku verfügbar?

 Gesamtkosten: Wie entwickeln sich Anschaffung, Energie, Wartung, Ausfallzeiten und Restwert über die Nutzungsdauer?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich beurteilen, ob eine Plattform nicht nur technisch funktioniert, sondern den Betrieb tatsächlich produktiver macht.

Was die GaLaBau 2026 sichtbar macht

Die GaLaBau 2026 zeigt, dass professionelle Akkutechnik den Übergang vom Einzelgerät zum betrieblichen Gesamtsystem vollzieht. Makita verbindet eine sehr breite 18-Volt-Welt mit der leistungsorientierten XGT-Klasse. Milwaukee deckt mit M12 und M18 unterschiedliche Geräteklassen ab und erschließt mit MX FUEL besonders leistungsintensive Anwendungen. Kärcher vollzieht den Wechsel von Battery Power+ zur herstellerübergreifenden ALLPRO-Plattform und verbindet damit künftig professionelle Reinigungstechnik mit Garten-, Landschaftspflege- und Forstgeräten. Für Betriebe wird deshalb nicht nur die aktuelle Geräteauswahl wichtig, sondern ebenso die Frage, wie kompatibel vorhandene Investitionen mit der jeweiligen Zukunftsstrategie sind.

Diese Ansätze lassen sich nicht allein nach Spannung, Gerätezahl oder maximaler Leistung bewerten. Entscheidend ist, wie zuverlässig ein System Energie, Maschinen, Menschen und Einsatzplanung verbindet.

Die wichtigste Investition ist deshalb möglicherweise nicht das nächste Akkugerät. Es ist die Analyse des eigenen Arbeitstages.

Wer weiß, welche Leistung wann benötigt wird, wie viele Teams gleichzeitig arbeiten und wann Energie nachgeladen werden kann, kann Akkutechnik gezielt einsetzen. Wer lediglich Benzingeräte durch ähnlich aussehende Akkumaschinen ersetzt, ohne die Abläufe zu verändern, verlagert das Problem vom Kraftstoffkanister zur Steckdose.

Dieser Beitrag ist Teil der Bruchmann-Insight-Serie zur GaLaBau 2026. Bereits erschienen sind der Auftakt zu den prägenden Messethemen, Teil 2 über klimaresilientes Stadtgrün, Wasserrückhalt und Bodenpflege sowie Teil 3 über vielseitige und elektrische Kommunaltechnik. Im nächsten Teil geht es um Spielplätze, die sich zu vielfältigen Bewegungsräumen entwickeln.

 

Quellen und weiterführende Beiträge

GaLaBau 2026 und Aussteller

Makita

Milwaukee

Kärcher und ALLPRO

Arbeitsschutz und Akkusicherheit

Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau: Akkutechnik – Lärm, Vibrationen, Gewicht und Arbeitsschutz

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Februar 2024: DGUV Information 205-041 – Brandschutz beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien

FAQ

Sind Akkugeräte im professionellen GaLaBau leistungsfähig genug?

Für viele Pflege-, Schnitt-, Reinigungs- und Baustellenarbeiten stehen inzwischen professionelle Akkugeräte zur Verfügung. Ob sie geeignet sind, hängt nicht allein von der Spitzenleistung ab, sondern von Dauerleistung, Laufzeit, Einsatzdauer, Material und vorhandener Ladeinfrastruktur.

Wie lässt sich die theoretische Akkulaufzeit berechnen?

Die gespeicherte Energie ergibt sich vereinfacht aus Volt mal Amperestunden und wird in Wattstunden angegeben. Teilt man die Wattstunden durch die durchschnittliche Leistungsaufnahme des Gerätes, erhält man eine theoretische Laufzeit. Reale Werte weichen durch Lastwechsel, Temperatur, Wirkungsgrad und Schutzfunktionen ab.

Reicht ein einheitliches Akkusystem für einen gesamten GaLaBau-Betrieb?

Das hängt vom Aufgabenprofil ab. Eine gemeinsame Plattform kann Lagerhaltung, Laden und Schulung vereinfachen. Für besonders leistungsintensive oder spezialisierte Geräte können jedoch andere Spannungsklassen, zwei Akkus oder ein weiteres System erforderlich bleiben.

Was unterscheidet die Ansätze von Makita, Milwaukee und Kärcher?

Makita kombiniert das breite LXT-System mit der höheren XGT-Leistungsklasse. Milwaukee deckt mit M12 und M18 unterschiedliche Geräteklassen ab und ergänzt diese für besonders leistungsintensive Anwendungen um das eigenständige MX-FUEL-System. Kärcher wechselt zum 1. Januar 2027 von Battery Power+ zur herstellerübergreifenden ALLPRO-Plattform. Die neuen Kärcher-Geräte werden mit ALLPRO- und vorhandenen STIHL-AP-Akkus kompatibel sein, jedoch nicht mit den bisherigen Kärcher-Battery-Power+-Akkus.

Sind vorhandene Kärcher-Battery-Power+-Akkus mit ALLPRO kompatibel?

Nein. Obwohl beide Plattformen eine Nennspannung von 36 Volt verwenden, unterscheiden sie sich technisch und mechanisch. Battery-Power+-Akkus können deshalb nicht in neuen ALLPRO-Geräten genutzt werden. Auch Adapter sind laut Kärcher nicht vorgesehen. Vorhandene Akkus aus dem STIHL-AP-System sollen dagegen mit den neuen Kärcher-ALLPRO-Geräten kompatibel sein. Für bestehende Battery-Power+-Geräte kündigt Kärcher eine mindestens zehnjährige Versorgung mit Ersatzteilen, Akkus und Ladegeräten an.

Welche Rolle spielt die Ladeinfrastruktur?

Sie bestimmt, wie viele Akkus zu Schichtbeginn und im Tagesverlauf verfügbar sind. Betriebe müssen Zahl und Leistung der Ladegeräte, vorhandene Stromkreise, Ladezeiten, Priorisierung und mögliche Ladepunkte in Fahrzeugen oder am Einsatzort gemeinsam planen.

Sind Akkugeräte automatisch leise und ergonomisch?

Nein. Viele Akkugeräte können Lärm, Vibrationen und lokale Abgase reduzieren. Die tatsächliche Belastung hängt aber vom konkreten Gerät, Werkzeug, Akkugewicht, Tragesystem und der Einsatzdauer ab. Maßgeblich bleibt die betriebliche Gefährdungsbeurteilung.

Wie sollten Lithium-Ionen-Akkus im Betrieb geladen werden?

Es sollten nur vom Hersteller zugelassene Ladegeräte verwendet werden. Akkus und Ladeplätze sind regelmäßig auf Schäden beziehungsweise Auffälligkeiten zu kontrollieren. Lagerung, Laden, Transport und der Umgang mit beschädigten Akkus müssen Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung und des Brandschutzkonzeptes sein.

Wann bleiben Geräte mit Verbrennungsmotor sinnvoll?

Sie können weiterhin Vorteile bei langen Hochlastarbeiten, schwer planbaren Einsätzen und fehlender Ladeinfrastruktur bieten. Viele Betriebe werden deshalb zunächst mit einer Mischflotte arbeiten und Akkugeräte dort einsetzen, wo ihre betrieblichen Vorteile tatsächlich genutzt werden können.

Wo sind die genannten Hersteller auf der GaLaBau 2026 zu finden?

Makita ist in Halle 11.0, Stand 11.0-403 und auf der Aktionsfläche PF 6 vertreten. Milwaukee beziehungsweise Techtronic Industries Central Europe stellt in Halle 11.0, Stand 11.0-405 aus. Die Kärcher Municipal GmbH ist in Halle 8, Stand 8-402, aufgeführt.

Unternehmensprofil Zum Firmenprofil
Unternehmen Alfred Kärcher Vertriebs-GmbH
Fachbereich Fachhandwerker
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