Dünnes Vakuumglas soll historische Fenster und bestehende Fassaden energetisch verbessern, ohne erhaltenswerte Konstruktionen vollständig auszutauschen
FINEO by AGC präsentiert auf der glasstec 2026 Lösungen für die energetische Sanierung und Restaurierung bestehender Fenster. Das Vakuumisolierglas ist vom 20. bis 23. Oktober am Stand G82 des ift Rosenheim in Halle 10 zu sehen. Im Mittelpunkt stehen der Austausch bestehender Verglasungen und der Erhalt historischer Fenster- und Fassadenkonstruktionen.
FINEO und das ift Rosenheim arbeiten seit mehreren Jahren zusammen. Das Institut begleitete das Produkt unter anderem auf dem Weg zur allgemeinen Bauartgenehmigung. Das Deutsche Institut für Bautechnik hat die aBG Z-70.4-304 für den Einsatz als linienförmig gelagerte Vertikalverglasung Ende 2024 erteilt. Sie ist seit dem 19. Dezember 2024 gültig.
Nach Angaben von AGC war FINEO zudem das erste Vakuumisolierglas mit einer CE-Kennzeichnung auf Grundlage der Europäischen Technischen Bewertung ETA 20/0048. Die Nachweise sollen Planern, Architekten und ausführenden Unternehmen den Einsatz bei entsprechenden Bauvorhaben erleichtern.
„Mit FINEO haben Planer, Architekten und Fensterbauer von Anfang an Planungssicherheit“, sagt Roland Skomda, FINEO-Vertriebsleiter für die DACH-Region.
Glastausch kann historische Fenster erhalten
Historische Fenster wurden häufig für dünnes Einfachglas konstruiert. Herkömmliche Mehrfachverglasungen lassen sich aufgrund ihrer größeren Dicke und ihres höheren Gewichts nicht immer in die vorhandenen Rahmen einsetzen. Vakuumisolierglas eröffnet hier die Möglichkeit, die energetischen Eigenschaften zu verbessern und gleichzeitig wesentliche Teile der ursprünglichen Fensterkonstruktion zu erhalten.
FINEO erreicht in der Standardausführung nach Herstellerangaben einen Ug-Wert von 0,7 W/(m²K). Klassisches Einfachglas liegt typischerweise bei etwa 5 bis 5,8 W/(m²K). Mit der neuen Produktionslinie am belgischen AGC-Standort Lodelinsart sind bei vorgespannten Ausführungen laut Unternehmen Werte bis zu 0,44 W/(m²K) möglich.

Je nach Ausführung weist das Vakuumglas eine Dicke von rund 7 bis 20 Millimetern auf. Dadurch kann es auch für Rahmen mit begrenzter Falztiefe infrage kommen. Ob ein vorhandener Rahmen geeignet ist und welche energetischen Werte das komplette Fenster erreicht, muss jedoch projektbezogen geprüft werden.
Auf der glasstec zeigt FINEO den Einsatz des Vakuumisolierglases in einem restaurierten Kastenfenster. Das ift Rosenheim bezifferte den Bestand solcher historischen Doppelfenster bereits 1996 auf rund 74 Millionen Stück in Deutschland. Werden bestehende Scheiben durch Vakuumisolierglas ersetzt, lassen sich nach Angaben von AGC – abhängig von Konstruktion und Verglasungsaufbau – U-Werte zwischen 0,7 und 0,5 W/(m²K) erreichen.
Einordnung: Wärmeschutz benötigt nicht zwangsläufig mehr Glas
Vakuumisolierglas greift einen zentralen Trend der glasstec 2026 auf: Eine bessere Wärmedämmung muss nicht automatisch mit dickeren und schwereren Verglasungen verbunden sein. Entscheidend ist vielmehr, wie sich Dämmwirkung, Materialeinsatz, Lebensdauer und die Weiternutzung bestehender Bauteile miteinander verbinden lassen.
Der Bruchmann Insight „glasstec 2026: Warum Wärmeschutz nicht immer mehr Glas braucht“ ordnet diese Entwicklung ausführlicher ein und betrachtet neben Vakuumglas auch weitere Ansätze für schlankere und ressourcenschonende Verglasungen.
Glastausch kann den Rückbau von Fassaden vermeiden
Auch bei bestehenden Fassaden kann der reine Austausch der Verglasung eine Alternative zum vollständigen Rückbau darstellen. Voraussetzung ist, dass Rahmen, Befestigungen und die übrige Konstruktion weiterhin technisch geeignet sind.
Bei einer Aluminiumfassade können dadurch energie- und materialintensive Arbeiten für Demontage, Recycling und Neuaufbau entfallen. Selbst das Recycling von Aluminium benötigt Energie: Nach Angaben der Aluminiumindustrie liegt der Energiebedarf für das Umschmelzen von Sekundäraluminium bei etwa fünf Prozent des Bedarfs für die Herstellung von Primäraluminium.

Vakuumisolierglas benötigt bei vergleichbarer Wärmedämmung weniger Material und ist leichter als viele Dreifachverglasungen. AGC verweist zudem auf Langzeittests, aus denen das Unternehmen eine Beständigkeit der Wärme- und Schalldämmeigenschaften über mehr als 60 Jahre ableitet. Diese Prüfungen sind allerdings nicht mit einer Garantie über diesen Zeitraum gleichzusetzen; für FINEO nennt der Hersteller eine Produktgarantie von 20 Jahren.
Nach Herstellerangaben können die Bestandteile des Vakuumglases am Ende der Nutzungsdauer wieder dem Glasofen zugeführt werden. AGC bezeichnet FINEO deshalb als vollständig recycelbar. Wie vollständig dieser Materialkreislauf in der Praxis umgesetzt wird, hängt jedoch auch von Rückbau, Sortierung und vorhandenen Recyclingwegen ab.

Umweltproduktdeklaration weist Treibhauspotenzial aus
Für verschiedene FINEO-Ausführungen liegen durch Dritte verifizierte Umweltproduktdeklarationen nach EN 15804+A2 und ISO 14025 vor. Für die 8 Millimeter dicke Low-Carbon-Ausführung wird darin ein Treibhauspotenzial von 18,9 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter für die Herstellungsphase ausgewiesen.
Der Wert bezieht sich auf die Bilanzgrenze „cradle to gate“ und damit auf die Lebenszyklusmodule bis zum Verlassen des Werks. Er beschreibt nicht automatisch die gesamten Umweltauswirkungen einschließlich Transport, Einbau, Nutzung und späterer Verwertung.
„Im Kundengespräch sehen wir täglich, wie groß das Potenzial ist, bei Fenster- und Fassadensanierungen Energieeffizienz und einen sparsamen Umgang mit Ressourcen zu verbinden“, sagt Roland Skomda. Auf der glasstec will das Unternehmen Planer, Architekten und Fensterbauer zu möglichen Anwendungen in Restaurierungs- und Renovierungsprojekten beraten.
Weitere Informationen bietet FINEO unter www.fineoglass.eu.
FAQ: FINEO Vakuumglas auf der glasstec 2026
Wo ist FINEO auf der glasstec 2026 zu finden?
FINEO ist vom 20. bis 23. Oktober 2026 am Stand G82 des ift Rosenheim in Halle 10 vertreten.
Für welche Anwendungen eignet sich Vakuumisolierglas?
Es kommt insbesondere für die energetische Sanierung historischer Fenster, für Konstruktionen mit geringer Falztiefe und für den Glastausch in erhaltenswerten Fassaden infrage.
Welchen Ug-Wert erreicht FINEO?
Die Standardausführung erreicht nach Herstellerangaben 0,7 W/(m²K). Für bestimmte vorgespannte Ausführungen nennt AGC Werte bis 0,44 W/(m²K).
Kann FINEO ohne zusätzliche Genehmigung eingesetzt werden?
Für linienförmig gelagerte Vertikalverglasungen liegt die allgemeine Bauartgenehmigung Z-70.4-304 vor. Ob sie das konkrete Bauvorhaben vollständig abdeckt, muss anhand der Genehmigung und der jeweiligen Einbausituation geprüft werden.
Ist FINEO vollständig recycelbar?
AGC bezeichnet das Glas als zu 100 Prozent recycelbar. Die tatsächliche Rückführung hängt in der Praxis auch von Demontage, Sortierung und verfügbaren Recyclingwegen ab.







