Gebogene Glasfassade über sechs Geschosse

Gebogene Glasfassade über sechs Geschosse: Flexibler Abstandhalter stabilisiert Randverbund im Pariser Notariat

Flexibler Abstandhalter stabilisiert Randverbund im Pariser Notariat

Mit der Modernisierung der traditionsreichen Chambre des Notaires im Zentrum von Paris wurde ein Gebäude aus dem 19. Jahrhundert funktional und gestalterisch neu interpretiert. Ziel war es, mehr Tageslicht, Offenheit und räumliche Tiefe in die bestehende Struktur zu bringen.

Im Innenhof entstand dazu eine halbmondförmige Glasfassade. Sie verbindet historische Bausubstanz mit modernen Arbeitsbereichen und erstreckt sich vom Erdgeschoss bis in das sechste Obergeschoss.

Die Fassadenkonstruktion wurde von Eiffage Métal umgesetzt. Die gebogenen Isoliergläser fertigte Doering Berlin.

Historischer Kontext und architektonisches Konzept

Das Gebäude in der Avenue Victoria im 1. Arrondissement ist Teil der Haussmannschen Stadtstruktur. Diese prägt Paris seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit einheitlichen Fassaden, klaren Baufluchten und typischen Gebäudehöhen.

Die bestehende Gebäudestruktur entsprach nicht mehr den heutigen funktionalen Anforderungen. Ein Architektenwettbewerb im Jahr 2019 hatte das Ziel, die Nutzung zu modernisieren und gleichzeitig den historischen Charakter zu erhalten.

Der Siegerentwurf von Atelier Senzu und Lagneau Architectes öffnet das Gebäude zum Innenhof. Rückbauten im Bestand verbessern die Belichtung des Erdgeschosses. Die neue Glasfassade bildet das zentrale Gestaltungselement.

Fassadenaufbau und Verglasung

Die Vorhangfassade umfasst insgesamt 77 gebogene Isoliergläser mit einer Gesamtfläche von rund 305 m².

Konstruktive Merkmale:

  • Zylindrisch gebogene, konkave Gläser
  • Elementhöhe: ca. 1287 mm
  • Bogenlänge: 1305 mm
  • Innenradius: 1000 mm
  • Glasaufbau (außen nach innen):
    • 6 mm Floatglas
    • 6 mm Sonnenschutzglas (CoolLite SKN 176 II)
    • 1,52 mm PVB-Folie
    • 16 mm Abstandhalter
    • 6 mm Floatglas

Die Gläser sind oben und unten gelagert. Die vertikalen Kanten bleiben frei.

Pro Element erfolgt die Lastabtragung über drei Tragklötze. Aufgrund der absturzsichernden Funktion wurde die Konstruktion statisch wie ein Geländer ausgelegt. Ein Aufpralltest mit 50 kg bestätigte die mechanische Belastbarkeit.

Tragstruktur und Montage

Die Verglasung wird auf jeder Ebene von geschweißten Stahltraversen mit T-Profil getragen. Deren Biegeradius entspricht exakt der Glasgeometrie.

Montageprinzip:

  • Auflagerung auf EPDM-Profilen
  • Fixierung über Pressprofile mit Deckschalen
  • Ausgleich von Toleranzen durch Silikon-Distanzstücke
  • Abdichtung über umlaufende Silikonfugen

Die Montage erfolgte geschossweise in definierter Reihenfolge. Jedes Element wurde positionsgenau gefertigt und eingebaut.

Toleranzen und konstruktive Anforderungen

Die gebogene Fassadengeometrie erzeugt eine hohe Abhängigkeit zwischen den einzelnen Bauteilen.

Zulässige Abweichungen:

  • Radius: bis zu ±5 mm
  • Höhe: bis zu ±7 mm

Bereits geringe Abweichungen können sich über mehrere Geschosse kumulieren. Dies beeinflusst:

  • Passgenauigkeit
  • Klemmkräfte
  • Fugenbreiten

Zusätzlich reagieren die Gläser empfindlich auf Verformungen der Tragstruktur, da sie nur punktuell gelagert sind.

© Eiffage Métal

Funktion des Abstandhalters im Randverbund

Zum Einsatz kommt ein flexibler, schaumbasierter Abstandhalter (Super Spacer® TriSeal™ Premium Plus).

Technische Eigenschaften:

  • Niedrige Wärmeleitfähigkeit
  • Hohe Elastizität
  • Anpassungsfähigkeit an gebogene Geometrien

Der Abstandhalter übernimmt mehrere Funktionen:

  • Ausgleich von Fertigungstoleranzen
  • Aufnahme thermischer Längenänderungen
  • Reduzierung lokaler Spannungsspitzen
  • Entlastung der Primärdichtung

Gebogene Isoliergläser reagieren stärker auf klimatische Druckschwankungen. Die daraus entstehenden Volumenänderungen wirken direkt auf den Randverbund. Der flexible Aufbau des Abstandhalters unterstützt die Aufnahme dieser Bewegungen.

© Eiffage Métal

Energetische Eigenschaften

Die eingesetzten Gläser erreichen folgende Kennwerte:

  • Wärmedurchgangskoeffizient (Ug): ca. 1,0 W/m²K
  • Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert): max. 38 %
  • Lichttransmission: ≥ 45 %

Damit wird sowohl der winterliche Wärmeschutz als auch der sommerliche Sonnenschutz berücksichtigt.

Einordnung

Die Fassadenlösung zeigt, wie gebogene Isolierverglasungen in mehrgeschossigen Konstruktionen eingesetzt werden können. Entscheidend sind dabei:

  • präzise Abstimmung von Tragstruktur und Verglasung
  • kontrollierte Montageabläufe
  • flexible Komponenten im Randverbund

Diese Faktoren beeinflussen maßgeblich die Dauerhaftigkeit und Funktion der Konstruktion.

Unternehmensprofil Zum Firmenprofil
Unternehmen Edgetech Europe GmbH
Fachbereich Architekten & Planer
Teilen:
Die vorstehenden Inhalte basieren auf Informationen des jeweiligen Herstellers bzw. Unternehmens und wurden im Rahmen seiner Pressearbeit zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit sowie für Aussagen zu Produkten, technischen Eigenschaften, Leistungsangaben oder Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten ist ausschließlich der jeweilige Anbieter verantwortlich. Redaktionelle Bearbeitungen durch das Presseportal Bruchmann – etwa zur sprachlichen Strukturierung, Kürzung oder technischen Aufbereitung für digitale Veröffentlichungen, ändern nichts an der inhaltlichen Verantwortung des Herstellers.
Bild von Verlag Bruchmann
Verlag Bruchmann

Ihr Fachverlag für Architektur/Planung, Kommunen, Handwerk, Lifestyle und weitere Themen.