Neue Wärmepumpenförderung soll europäische Produktion ab 2027 stärken
Der Wärmepumpenhersteller Stiebel Eltron begrüßt die geplante stärkere Berücksichtigung europäischer Wertschöpfung in der deutschen Heizungsförderung. Bei einem Besuch der CDU-Europaabgeordneten Lena Düpont in Holzminden diskutierte sie mit CEO Dr. Kai Schiefelbein über die Marktentwicklung, den ab 2027 vorgesehenen Wertschöpfungsbonus und die Wettbewerbsbedingungen für europäische Hersteller.
Stiebel Eltron erwartet 2026 wieder mehr als eine Milliarde Euro Umsatz
Zu Beginn des Austauschs erläuterte Schiefelbein die wirtschaftliche Entwicklung von Stiebel Eltron in den vergangenen Jahren. Nach einer stark gestiegenen Nachfrage während der Coronapandemie und infolge des Ukraine-Kriegs überschritt der Umsatz 2022 erstmals die Marke von einer Milliarde Euro. Im Jahr 2023 stieg er auf rund 1,25 Milliarden Euro.
2024 folgte ein deutlicher Rückgang auf 941 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr stabilisierte sich der Umsatz nach Angaben des Unternehmens bei 954 Millionen Euro. Gleichzeitig habe Stiebel Eltron seine Kostenstruktur an die veränderte Marktsituation angepasst.
Für das laufende Jahr zeigte sich Schiefelbein zuversichtlich: „Dieses Jahr läuft sehr gut, wir liegen aktuell vor unserem Plan und werden am Jahresende sicher wieder deutlich über einer Milliarde Euro Umsatz machen.“
Der Unternehmenschef führte die bessere Entwicklung unter anderem auf die wieder gestiegene Nachfrage nach Wärmepumpen sowie höhere Energiepreise infolge des Iran-Kriegs zurück. Darüber hinaus habe sich die Wärmepumpe nach seiner Einschätzung als langfristig tragfähiges Heizsystem bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern etabliert.
Auch die Neugestaltung der deutschen Heizungsförderung bewertete Schiefelbein positiv. Sie sorge für mehr Klarheit und berücksichtige durch das schrittweise Abschmelzen einzelner Förderbestandteile zugleich die Belastung der öffentlichen Haushalte. Die schnelle Umsetzung schaffe nach seiner Einschätzung Kontinuität und verhindere erneute Nachfragebrüche.
Wertschöpfungsbonus für europäische Wärmepumpen geplant
Nach den von der KfW im Juli 2026 angekündigten Änderungen soll im ersten Quartal 2027 ein neuer Wertschöpfungsbonus eingeführt werden. Gleichzeitig soll die Grundförderung für alle Wärmepumpen von derzeit 30 auf 15 Prozent sinken. Wärmepumpen, die innerhalb der Europäischen Union gefertigt werden, sollen zusätzlich einen Wertschöpfungsbonus von 15 Prozentpunkten erhalten.
Damit bliebe für entsprechend qualifizierte Geräte eine Förderung von insgesamt 30 Prozent bestehen. Die technischen Voraussetzungen und der notwendige Anteil europäischer Wertschöpfung sind allerdings noch nicht abschließend festgelegt. Die KfW bezeichnet die geplante Förderung offiziell als Wertschöpfungsbonus.
Schiefelbein begrüßte die geplante Differenzierung. Ein freier Welthandel nach den Regeln der Welthandelsorganisation wäre aus seiner Sicht zwar wünschenswert, entspreche angesichts umfangreicher staatlicher Subventionen jedoch nicht der wirtschaftlichen Realität.
Er verwies in diesem Zusammenhang auf den staatlichen chinesischen Aktionsplan zur Entwicklung der Wärmepumpenindustrie. Dieser sieht unter anderem Maßnahmen zur Marktausweitung, Technologieentwicklung, Modernisierung der Fertigung, Finanzierung und Internationalisierung vor. Schiefelbein sieht europäische Hersteller deshalb einem erheblichen industriepolitischen Wettbewerbsdruck ausgesetzt.
„Da ist es nur richtig, europäische Wertschöpfung stärker zu fördern. Das ist zwar nur ein erster Schritt, aber damit erkauft man sich Zeit, um weitere notwendige Schritte zu gehen“, erklärte der Stiebel-Eltron-Chef.
Europäische Wertschöpfungsquote noch nicht festgelegt
Lena Düpont unterstützte die grundsätzliche Ausrichtung: „Freihandel an sich ist eine sehr gute Sache, aber gleichzeitig muss man den Binnenmarkt auch schützen.“
Bei der noch offenen technischen Ausgestaltung des Wertschöpfungsbonus wird nach ihren Angaben derzeit eine europäische Wertschöpfungsquote von 45 Prozent diskutiert. „Diese 45 Prozent müssen es schon sein“, sagte die CDU-Politikerin. Dabei handelt es sich noch nicht um eine abschließend beschlossene Fördervoraussetzung.
Schiefelbein hält eine Quote in dieser Größenordnung für sinnvoll. Sie lasse den Herstellern ausreichend Spielraum, einzelne Komponenten weltweit einzukaufen, stärke gleichzeitig aber die industrielle Fertigung innerhalb Europas.
EU will Elektrifizierung deutlich beschleunigen
Düpont und Schiefelbein betonten darüber hinaus die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Europäischen Union. Ein gemeinsamer europäischer Markt sei gerade angesichts der internationalen Wettbewerbsbedingungen und geopolitischen Entwicklungen unverzichtbar.
Als Beispiel nannten sie den im Juli 2026 vorgelegten Electrification Action Plan der Europäischen Kommission. Dieser soll die Elektrifizierung in Industrie, Verkehr und Gebäuden beschleunigen und die Abhängigkeit Europas von importierten fossilen Energieträgern verringern. Die Kommission strebt an, den Anteil von Strom am europäischen Endenergieverbrauch von derzeit rund 23 Prozent bis 2040 auf 46 Prozent zu erhöhen.
Schiefelbein sieht darin einen sinnvollen Rahmen, um die bisherige Benachteiligung von Strom gegenüber fossilen Brennstoffen zu verringern. Entscheidend sei nun, dass die Mitgliedstaaten die europäischen Vorgaben konsequent umsetzen.
Standortbedingungen bleiben für Stiebel Eltron wichtig
Düpont wurde bei ihrem Unternehmensbesuch von mehreren CDU-Vertretern aus der Region begleitet, darunter der niedersächsische Landtagsabgeordnete Uwe Schünemann.
Auf die Frage nach den Erwartungen an die regionale Politik verwies Schiefelbein auf die Bedeutung qualifizierter und engagierter Beschäftigter: „Unsere DNA ist Innovation – wir müssen die Bedürfnisse unserer Kunden schneller und besser verstehen und technisch bedienen als unsere Mitbewerber.“
Stiebel Eltron sei wegen der verfügbaren Fachkräfte mit der Region verbunden. Da der Personalbedarf nach Einschätzung des Unternehmens weiter wachsen werde, müsse die Politik dazu beitragen, attraktive Lebens- und Arbeitsbedingungen am Standort zu erhalten.
FAQ
Was ändert sich 2027 bei der Wärmepumpenförderung?
Nach der Ankündigung der KfW soll die Grundförderung für Wärmepumpen im ersten Quartal 2027 von 30 auf 15 Prozent sinken. Für innerhalb der Europäischen Union gefertigte Geräte ist zusätzlich ein Wertschöpfungsbonus von 15 Prozentpunkten vorgesehen.
Ist die europäische Wertschöpfungsquote von 45 Prozent bereits beschlossen?
Nein. Nach Angaben der Europaabgeordneten Lena Düpont wird eine Quote von 45 Prozent derzeit diskutiert. Die genaue technische Definition der europäischen Fertigung und Wertschöpfung ist noch nicht abschließend festgelegt.
Wie hat sich der Umsatz von Stiebel Eltron entwickelt?
Stiebel Eltron erzielte 2023 rund 1,25 Milliarden Euro Umsatz. 2024 sank der Umsatz auf 941 Millionen Euro und stabilisierte sich 2025 bei 954 Millionen Euro. Für 2026 erwartet CEO Dr. Kai Schiefelbein wieder einen Umsatz von deutlich mehr als einer Milliarde Euro.







