Super Spacer® in der komplexesten Vorhangfassade der Welt

Die OPPO Global Headquarters in der Shenzhen Bay sind ein Projekt der Superlative

Die OPPO Global Headquarters in der Shenzhen Bay sind ein Projekt der Superlative

Beim Neubau der OPPO Global Headquarters in Shenzhen kommt der flexible Abstandhalter Super Spacer® von Edgetech Europe in rund 14.000 gebogenen Isolierglaseinheiten zum Einsatz. Die komplexe Freiformfassade zählt zu den technisch anspruchsvollsten Glasfassadenprojekten weltweit.

Der von Zaha Hadid Architects unter der Leitung von Patrik Schumacher entworfene High-Rise-Cluster zählt zu den anspruchsvollsten hyperbolischen Glasfassadenprojekten der Gegenwart. Rund 14.000 individuell gebogene Isolierglaseinheiten formen die weich fließende, skulpturale Gebäudehülle. In der gesamten Verglasung kam der flexible Abstandhalter Super Spacer® von Edgetech Europe/Quanex zum Einsatz. Als einziges System bot er die erforderliche Präzision und Anpassungsfähigkeit, um die komplexen Glasgeometrien technisch und ästhetisch fehlerfrei umzusetzen.

Vor rund 40 Jahren war Shenzhen ein kleines Fischerdorf. Heute ist die Stadt mit direkter Sicht auf das gegenüberliegende Hongkong eine Megacity mit Hunderten von Hochhäusern und ein Zentrum der chinesischen Informationstechnologie in der südchinesischen Greater Bay Area. Das direkt am Wasser gelegene, 117 Hektar große Entwicklungsgebiet „Shenzhen Bay Super Headquarter Base” soll ein weithin sichtbares Symbol für die Innovationskraft der Region werden. Auch der Hightech-Konzern OPPO, viertgrößter Smartphonehersteller der Welt, errichtet hier ein neues, bis zu 199,75 Meter hohes Headquarter mit rund 248.000 Quadratmetern Nutzfläche. Sie verteilen sich auf vier miteinander verbundene amorphe Türme, die sich nach unten hin verjüngen.

Tragwerk ohne massiven Aussteifungs- und Erschließungskern

Herausragende Beispiele für fassadentechnische Spitzenleistungen sind unter anderem ein 41 Quadratmeter großes, mehr als 10,8 Tonnen schweres, hyperbolisches Fassadenelement, ein 2000 Quadratmeter großes, speziell geformtes, doppelt gekrümmtes und freitragendes Netzschalentragwerk mit höchstem Schwierigkeitsgrad, sowie nicht zuletzt, die Konstruktion einer 240 m² großen hyperbolischen Kuppelöffnung in 200 Metern Höhe über der geplanten Sky Bar. Sie stellte naturgemäß extreme Anforderungen an Strukturmechanik, Steuerungssystem und Sicherheitskonzepte. Konstruktion und Produktion der Vorhangfassade für Tower 1 und 2 sowie den Sockel verantwortet Far East Façade, den Fassadenauftrag für Tower 3 und 4 erhielt CNYD.

Auf die Frage, warum es in ihren Bauten keine 90-Grad-Winkel gäbe, antwortete Zaha Hadid einmal sinngemäß, das Leben sei nicht in einem Raster aufgebaut. Die Menschen empfänden natürliche Orte als entspannend – eine Wirkung, die man auch mit Architektur erreichen könne. Ihre Vision, organische Landschaften in die Vertikale zu transformieren, gelang nicht zuletzt dank der Entwicklung parametrischer Designwerkzeuge.

Hadids langjähriger Wegbegleiter Schumacher beschrieb die Anforderungen unserer Netzwerkgesellschaft an moderne Hochhäuser in mehreren Publikationen: Es geht nicht um bloße Verdichtung, sondern um kommunikative Intensivierung. Um über mehrere Ebenen räumliche Verbindungen und visuelle Offenheit zu schaffen, müsse der massive Kern aufgelöst und durch Navigationsräume ersetzt werden, die den Turm in eine „vertikale Straße“ verwandeln.

Im neuen OPPO Headquarter wird die vertikale Erschließung der beiden Bürotürme über Treppen und Aufzüge nicht nur von der Statik entkoppelt, sondern in die zwei Servicetürme T3 und T4 ausgelagert. Dadurch entstehen offene Grundrisse und freie Sichtachsen innerhalb des Gebäudes sowie auf die Shenzhen Bay, während gleichzeitig die Kreativität sowie spontaner Austausch gefördert werden. Ein 20-geschossiges, lichtdurchflutetes Atrium verbindet die beiden Bürotürme und erlaubt es, das Innere ebenso zu durchstreifen wie urbane Straßenräume. Zugleich setzen Zaha Hadid Architects bewusst auf Kurven, um Volumina klar zu strukturieren und die visuelle Zersplitterung von Raumeinheiten zu verhindern.

Glasfassade komplett aus doppelt laminiertem, gebogenem Isolierglas

Die für die vier Fassaden insgesamt benötigten 70.000 Quadratmeter Isolierglas werden bei Tianjin North Glass Industrial Technology Co., Ltd. produziert. 9000 der rund 14.000 gebogenen Scheiben sind höchst anspruchsvolle freiform-, konvex-konkav gebogene oder sattelförmige Isolierglaseinheiten. Einfach gebogene Paneele erreichen Bogenlängen von bis zu 5,4 Metern, doppelt gebogene Paneele sind bis zu 6 Meter lang, der engste Biegeradius beträgt einen Meter. Auch die rund 9.000 flachen Isolierglaseinheiten werden zum überwiegenden Teil vor Ort kalt gebogen.

Der Großteil der Verglasung besteht aus vier-scheibigen, doppelt laminierten Isolierglaseinheiten, die mit 16 mm Super Spacer® TriSeal™ als Abstandhaltersystem ausgeführt sind. Die Verbundscheiben basieren auf 10 mm starkem, extraweißem Glas und verfügen über funktionale Sonnenschutz- sowie Low-E-Beschichtungen. Dadurch ergeben sich beträchtliche Glasdicken und Eigengewichte, die hohe Anforderungen an die strukturelle Leistungsfähigkeit des Abstandhalters stellen.

In speziellen Bereichen kommt zusätzlich entspiegeltes Glas zum Einsatz. Abweichungen finden sich bei den Sicherheitsverglasungen und einzelnen Sonderbereichen: Hier werden dreifach verglaste Elemente mit jeweils drei 12 mm starken Scheiben oder Isoliergläser mit drei 8 mm starken Scheiben verwendet, wobei die äußeren laminiert und die innere monolithisch ausgeführt sind.

Für diesen hochkomplexen Auftrag arbeitete North Glass eng mit dem Auftraggeber, Zaha Hadid Architects, sowie den Fassadenspezialisten Far East Façade und CNYD zusammen, um das visuelle Erscheinungsbild der Glasfassade umfassend zu prüfen und strengste Qualitätskontrollen sicherzustellen.

Auch die Entscheidung für Super Spacer® wurde gemeinsam vom Auftraggeber, den Architekten, den Fassadenberatern und den ausführenden Unternehmen getroffen. Das Projekt zeichnet sich durch eine vollständig doppelt gekrümmte Glasfassade mit variierenden Glasformen aus. Aufgrund des flexiblen Materials gewährleistet Super Spacer® die Dichtheit und die thermischen Eigenschaften der Isoliergläser und passt sich jeder unregelmäßigen oder gekrümmten Scheibenform problemlos an, wobei die Glaswölbung nahtlos unterstützt wird. Das Ergebnis ist eine Fassade, die sowohl die funktionalen Leistungsanforderungen als auch die hohen ästhetischen Ansprüche des Entwurfs erfüllt.

Über die bestehenden weltweiten Zertifizierungen hinaus wurde die Normenkonformität von Super Spacer® von spezialisierten chinesischen Prüfinstituten vor Projektbeginn verifiziert. Das kaltgebogene Glas wurde darüber hinaus auf einer speziellen Testplattform geprüft, um das Verformungsverhalten und die Dichtigkeit beim Einwirken der Biegekräfte gezielt zu evaluieren.

Um die technischen Strategien so lange zu verfeinern, bis alle Leistungsanforderungen erfüllt waren führte North Glass zwischen 2020 und 2024 mehrere 1:1 Visual Mock-Ups-Tests durch. „Das Ergebnis sind Isolierglaseinheiten von herausragender optischer Qualität und präziser Maßhaltigkeit. Die gesamte Edgetech/Quanex-Familie ist ungemein stolz, dass Super Spacer die Geschichte dieses einzigartigen Fassadenprojekts mitschreiben darf. Mit Zaha Hadid Architects, North Glass, Far East Façade und der Shenyang Yuanda Group sind weltweit renommierte Spezialisten beteiligt, die in ihren Fachgebieten Maßstäbe setzen“, erklärt Paul Chen Marketing & Sales Manager des chinesischen Vertriebspartners von Edgetech/Quanex, Linkeast International Trading.

Vier Jahre Entwicklung, Erprobung und Optimierung

Das Projekt stellte in jeder Phase hohe Anforderungen an den Fassadenbau – von der Beschaffung der gebogenen Materialien über das Biegen, die Verarbeitung und die Montage von Aluminium- und Stahlkomponenten, bis hin zur 3D-gesteuerten Koordination der Installation vor Ort. Bei der Glasproduktion liegen die kritischen Punkte in der Herstellung übergroßer, getemperter, gebogener und laminierter Scheiben, dem Sicherstellen der Krümmungstoleranzen, der Kontrolle optischer Verzerrungen sowie der Minimierung von Regenbogeneffekten. Für das Aluminium-Biegen erfordert jedes individuell geformte Profil maßgeschneiderte Biegewerkzeuge, wobei Toleranzen von ±1,5 Millimeter eingehalten werden müssen. Aluminium der Güte T4 muss vor dem Biegen eine sekundäre Alterungsbehandlung durchlaufen, um die Festigkeit zu gewährleisten.

Alle Materialien wurden zunächst parametrisch entworfen und in LOD-400-Präzisionsmodelle überführt, die anschließend in einzelne Bauteile zerlegt und als STP-Dateien bereitgestellt wurden. Der Informationsaustausch erfolgte über AutoCAD, Rhino/Grasshopper sowie ein eigens entwickeltes Designer-Programm.

Bereits in der frühen Planungsphase wurden Toleranzräume definiert und mit 3D-Scans die Präzision der gefertigten Materialien überprüft. Datenanalyse und Reverse Modeling simulierten reale Bedingungen, um die Genauigkeit vor der Montage sicherzustellen. Aufgrund der komplexen Geometrien wurden Workshops mit Herstellern, Fassadenberatern, Architekten und Bauherren durchgeführt, um eine gemeinsame Basis für formale Entscheidungen zu finden.

Die Fertigung der gebogenen Gläser wurde in einem zwei Jahre währenden Forschungsprozess auf Machbarkeit, maximale Abmessungen und Biegeradien geprüft. Fehler oder Abweichungen wurden systematisch analysiert, Verantwortlichkeiten geklärt und Lösungen sowohl aus gestalterischer als auch praktischer Sicht bewertet. North Glass hat speziell für dieses Projekt maßgeschneiderte Anlagen zum Tempern von mehrfach gekrümmtem Glas entwickelt, um die Glasqualität zu erhöhen.

Die größte Herausforderung stellte die Dateninteroperabilität dar, die nur durch qualifiziertes Personal, passende BIM-Kompetenzen und entsprechende Bearbeitungs- und Prüftechnik gewährleistet werden konnte. „Das Projekt hat darüber hinaus neue Standards und Arbeitsabläufe geschaffen, etwa Spezifikationen für doppelt gekrümmte Fassaden, Kaltbiegeverfahren und zahlreiche patentierte Bautechniken, die künftig auf ähnliche Projekte übertragbar sind“, erklärt Joachim Stoß, VP International Sales Quanex QES, abschließend.

FAQ:

Warum wurde Super Spacer® für das OPPO Headquarter gewählt?

Super Spacer® passt sich flexibel an doppelt gekrümmte und freiformgebogene Isoliergläser an und gewährleistet Dichtheit sowie thermische Leistung.

Wie groß ist das OPPO Global Headquarters?

Das Gebäudeensemble umfasst rund 248.000 Quadratmeter Nutzfläche und erreicht eine Höhe von bis zu 199,75 Metern.

Welche Besonderheit weist die Glasfassade auf?

Die Fassade besteht aus rund 14.000 individuell gebogenen Isolierglaseinheiten, darunter zahlreiche doppelt gekrümmte und sattelförmige Gläser.

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